• 13. Oktober 2012 14:10
  • Netzmusik, Sendung vom 13.10.2012

Wuff, wuff, Wahlkampfmucke!

Die Netzmusik am 13. Oktober 2012


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Die Pop-Kultur mischt sich schon seit Jahren in die US-amerikanischen Wahlkämpfe ein. Obama war vor vier Jahren selbst ein Pop-Star, dann kehrte die Wirklichkeit zurück. Im Wahlkampf dieses Jahr versuchen demokratische und republikanische Wahlkämpfer natürlich wieder den Glanz der Unterhaltungs-Industrie auf ihre Männer zu reflektieren.

Auch diesmal hat Obama wieder Stars wie George Clooney oder Will.I.Am auf seiner Seite, die Spenden sammeln oder Lieder singen. Aber es gibt auch ziemlich erfolgreiche und virale Anti-Obama-Songs, wie die Parodie auf Gotye’s Über-Hit “Somebody’s that I used to know”, umgedichtet zu “Obama that I used to know”. Den haben zwei ehemalige Harvard-Studenten gemacht und generierten damit auf Youtube schon anderthalb Millionen Clicks.

Auch ganz „normale“ Menschen schreiben Lieder über den Kandidaten und den Verteidiger des Präsidentschaftspostens. Wie der Künstler und Songwriter Noam Weinstein, der in New York lebt und dessen überwältigender Gesamt-Katalog im Netz downloadbar ist. Er hat einen ironischen Song über seinen (Nicht-)Glauben an Mitt Romney geschrieben.

Mitt Romneys Hund spielt im Spannungsfeld von Präsidentschaftskandidat und Pop-Kultur eine besondere Rolle. Romney hatte irgendwann erzählt, er hätte seinen Hund Seamus einmal für eine halbe Stunde Fahrt oben aufs Auto-Dach geschnallt. Darüber hat schon Ry Cooder auf seinem aktuellen und sehr politischen Album den Titel “Mutt Romney” (Köter Romney) geschrieben.

Die Band Devo hat diese Geschichte in ihrem Lied ““Don’t Roof Rack Me, Bro! (Seamus Unleashed)” aufgegriffen, und gleich ein Smartphone-Spiel mitsamt Song auf den Markt gebracht, in dem der aus dem Käfig befreite Hund in einem Jump-and-Run-Spiel möglichst lang auf Mitt Romneys Autodach Hindernissen aus dem Weg springen muss.

Storytelling ist nicht nur Thema der Medien und Politik, sondern auch der Musik. Vor einem Jahr hat der Bremer Soul-Sänger Flo Mega, der aussieht wie der kleine Bruder von Boris Becker und von der Stimme her Joe Cockers Vater sein könnte, sein Debut-Album “Die wirklich wahren Dinge” veröffentlicht. Danach ging es für ihn rund, er vertrat Bremen beim Bundesvision Song Contest und ist durch das ganze Land getourt. Zum einjährigen Jubliäum jetzt die “Die wirklich wahren Dinge”-Remix EP, geschenkt. Darauf Geschichten von Loosern, Engeln, durchsoffenen Nächten und so weiter – immer unterlegt und überstrahlt von großer Philosophie.

Und ja, die Buchmesse: Gastland ist diesmal Neuseeland und deshalb auch zu Gast in der Breitband-Netzmusik. Wir spielen Musik von einer, die sich zu Hause festgeklebt fühlt und nicht weg kann, weil sie zu jung ist, sich aber fühlt, als wäre sie bereit für die Welt. So beschreibt sich Lucy Keane selbst. Ihre Songs stellt sie zum kostenlosen Download auf Bandcamp. Und dankt dort auch ihrem Bruder, ihrem Musik-Lehrer und Bob Dylan. Mindestens hat sie die richtigen Vorbilder, und das mit dem präzisen Gitarren-Spiel kommt auch bald.

Playlist

Just New Productions –  Obama That I Used To Know
Video

Noam Weinstein –  I Believe in Mitt
Download

Crate Escape Game
Webseite

Flomega –  Durchgemacht + Wie es weitergeht
Webseite

Lucy Keane – Home Stuck
Download

Zusammengestellt von Vivian Perkovic.

Bild: Nicht Herr Romneys Hund, aber auch ein Irish Setter. Quelle: Wikimedia Commons