• 6. März 2008 12:03
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Westliche Vorbilder, finanzstarke Ölmultis und königliche Macht – Arabische Medien im Spagat zwischen Freiheit, Tradition und Geld


Zensur und staatliche Dominanz gehören in den arabischen Staaten zum Alltag. Die Medienlandschaft im Nahen Osten ist dennoch vielfältiger, als ihr Ruf hierzulande nahe legt. Beispiel Fernsehen: Rund 200 Kanäle gibt es inzwischen – neben dem großen Dreigestirn al-Jazira, al-Arabiya und Abu Dhabi-TV. Gerade diese drei sind besonders populär, denn sie haben das staatliche Kontrollmonopol in Nahost gebrochen. In den letzten Jahren allerdings hat die Fernseh-Konkurrenz nachgezogen und erfreut sich – ganz nach europäischem Vorbild – enormer Popularität. 
Vielfach werden Unterhaltungsprogramme geboten, die sich an westlichen Formaten orientieren. Selbst Erotiksendungen und Reality Shows können dazu gehören, die trotz Kritik von konservativer religiöser Seite offenbar nicht zu verbieten sind. Daneben informieren die arabischen Medien auch über überregionale Themen, vor allem zum israelisch-palästinensischen Konflikt und zum Irak-Krieg. Allerdings sagen Fachleute, dass Themen, die im eigenen Land angesiedelt sind, wie Demokratie, soziale Gerechtigkeit oder die Belange von Frauen, vernachlässigt werden. Hier ist der Spielraum offenbar stark eingeschränkt, denn die Sender gehören entweder dem Staat oder sie erhalten privates Geld aus der Golfregion – wie etwa der Nachrichtensender al-Arabiya, der dort viele Werbekunden hat. Das hat seine Konsequenzen, wie Nachrichtendirektor Nakhle El Hage sagt.
Hage räumt auch ein, dass die Berichterstattung über Israel und die USA in den arabischen Medien unausgewogen ist. Umgekehrt wirft er den westlichen Medien vor, sich zuwenig für arabische Belange und die Alltagskultur dieser Länder zu interessieren. 
Auf der westlichen Seite ist dagegen das Interesse groß, die arabischen Länder mit westlichen Inhalten zu versorgen. Das Engagement in der Region jedenfalls ist beträchtlich. Dies kann man auch als Verschiebung der Konfrontationslinien verstehen. Nachdem der Eiserne Vorhang gefallen ist, gibt es nun einen „Nachrichtenkrieg“ zwischen westlichen und arabischen Sendern. Erst kürzlich hat die Deutsche Welle ihr Programm ausgebaut. Am 11. März startet die BBC erneut einen arabischsprachigen TV-Nachrichtenkanal. 
Wieviel Medienfreiheit gibt es in der arabischen Welt? Und welchen Einfluss haben westliche Nachrichtenkanäle auf die Meinungsbildung? Welche Rolle spielt das Internet? Darüber reden wir auch in der kommenden Breitband-Sendung – mit Dr. Abdel-Naser Shrouf, der lange bei der Deutschen Welle als Redakteur für den arabisch-sprachigen Raum gearbeitet hat. /vli
Weitere Informationen zum Neustart von BBC Arabia:
http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/der-basar-als-infoquelle/?src=HL&cHash=fcd8295dc9
http://forum.transponder-news.de/showthread.php?t=11919