• 11. März 2008 16:03
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Wem gehört der Klick?


… Ist nur eine von vielen Fragen, welche die geplanten Kooperationen zwischen den Öffentlich-rechtlichen und den Verlagen im Online-Bereich aufwerfen.  
Wie können die Kooperationen inhaltlich ausgestaltet werden? Soll es Verlinkungen geben, sollen Texte übernommen oder ARD und ZDF Bewegtbilder abgekauft werden? Wenn ja, zu welchen Kosten? Werden damit andere Marktteilnehmer, die ebenso Bildmaterial anbieten, an die Seite gedrängt? Fraglich ist auch, wie die öffentlich-rechtlichen Inhalte auf den Verlegerseiten präsentiert werden können. Denn Verlegerauftritte sind kommerzielle Angebote und von denen muss sich der gebührenfinanzierte Rundfunk abgrenzen können.
Fest steht auf jeden Fall jetzt schon, dass es nicht das einheitliche Kooperationsmodell geben wird. Die ARD lotet auf nationaler Ebene eine Zusammenarbeit aus, die einzelnen Landesrundfunkanstalten planen lokale Kooperationen. Der SWR etwa ist im Gespräch mit verschiedenen regionalen Blättern. Das ZDF plant eine Zusammenarbeit u.a. mit der Süddeutschen Zeitung.
Den Anfang in der Zusammenarbeit haben heute der WDR und die WAZ gemacht.  Obwohl der WDR-Rundfunkrat erst am Freitag über diese Kooperation entscheiden wird, verkündeten heute schon beide Partner in der Düsseldorfer Staatskanzlei in Anwesenheit von Ministerpräident Jürgen Rüttgers (CDU) Eckpunkte für eine Kooperation im Onlinebereich.
Der Kern: Der WDR stellt dem Internetangebot der WAZ-Gruppe „Der Westen“ Beiträge aus seinen aktuellen Regionalmagazinen zur Verfügung. Diese Beiträge sind Teil der WDR-Fernehregionalberichterstattung, die zudem auch im Onlineangebot „WDR Mediathek regional“ zu sehen sind. Die WDR-Inhalte werden im Internetangebot der WAZ unverändert weiterverbreitet und – entsprechend der gesetzlichen Regelungen – nicht mit Werbung versehen. Die Lizenzierung der Beiträge an die WAZ erfolgt zu marktüblichen Preisen durch die 100-prozentige Tochtergesellschaft WDR mediagroup.
Während der Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V., VPRT, in einer Pressemitteilung diese Kooperation als „Angriff auf die Meinungsvielfalt und fairen Wettbewerb“ kritisierte, bewertete VPRT-Vize und LEiter des Bereichs Medienpolitik bei RTL Television, Dr. Tobias Schmid, im Gespräch mit Breitband die Pläne differenziert und hielt sich eine mögliche rechtliche Prüfung des Vorhabens offen. Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff betonte erneut auf Nachfrage, dass die Öffentlich-rechtlichen im Rahmen der Online-Kooperationen keine anderen Anbieter von Bewegtbildern vom Markt verdrängen werden. Mehr zum Thema in der kommenden Breitband-Ausgabe am kommenden Samstag, 14.05 Uhr.  /vli
WDR und WAZ kooperieren im Internet – Link zum WDR
Kooperation im Netz – aus Sicht der WAZ
Annäherung im Netz – Gespräch mit dem Journalistikprofessor Günther Rager, Universität Dortmund