• 6. Juni 2008 08:06
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„Was ist das Netz?“


Die von Immanuel Kant beantwortete Preisfrage „Was ist Aufklärung?“ ist wohl die bekannteste unter den Streitfragen in der Philosophie. Sie war zugleich Beginn eines zunehmend allgemeinen und öffentlichen Interesses an der bis dahin wegen ihrer Brisanz nur innerhalb der Gelehrtenrepublik geführten Diskussion zur Rechtfertigung der Wissenschaft und Philosophie, der Vernunft oder des Selbstdenkens gegenüber der Autorität des Glaubens und der Kirche.

Im 21. Jahrhundert ist das öffentliche akademische Fragenstellen mehr und mehr aus der Mode geraten, obwohl die allgemeinen Diskussionen um die Selbstverständlichkeit eines „homo digitalis“ und seine Positionen in den Sphären des Privaten und der öffentlichen virtuellen Räume nicht ausbleiben. Welche Informationen werden zukünftig mit vernetzen Systemen übertragen, artikuliert und verarbeitet?; bleibt der Mensch überhaupt Träger des Wissens oder kann sich technische Information unabhängig von ihm weiterenwickeln? Im Zuge dieser Enwicklung gehört wohl doch wieder „Muth“ dazu, „sich (ohne Computer) seines eigenen Verstandes zu bedienen.“

2008, 15 Jahre nachdem das von Tim Berners-Lee als Projekt am Europäischen Kernforschungszentrum CERN entwickelte World Wide Web für die Nutzung durch die Allgemeinheit freigegeben wurde und unser Leben und die Gesellschaft nachhaltig verändert hat, stellt sich uns die simple, durchaus auch an analoge Zeiten anknüpfende Frage: „Was ist das Netz?“
Wir werden demnächst in der Sendung in loser Folge die unterschiedlichsten Antworten und Assoziationen zu dieser Frage präsentieren – als Audio-Statement der community oder  O-Ton von Wissenschaftlern, Journalisten, Künstlern, Verweigerern, Enthusiasten, Verschwörern, Fischern, realen und fiktiven Personen. Und sind gespannt auf thematische Beiträge, die in der Rubrik „blogspiel“ hochgeladen werden – ob als persönliche Meinung oder künstlerische Reflexion.