• 6. August 2011 13:08
  • Digitale Kultur, Netzkultur, Sendung vom 06.08.2011

Von monoton zu Auto-Ton

Die (Netz-)Kultur der Autotunes


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Spätestens seit Chers Welthit “Believe” kennt man den Effekt: die Gesangsstimme klingt eigenartig verfremdet, vollführt merkwürdige Tonsprünge und Kapriolen. Dahinter steckt eine Technologie namens Autotune, die ursprünglich von der Firma Antares entwickelt wurde. Eigentlich  sollte Autotune zur Tonhöhenkorrektur dienen, falls ein Sänger oder Instrumentalist die Töne einmal nicht genau trifft. Musikproduzenten setzten die Technik aber schon bald als Stilmittel ein, um ihren Produktionen einen eigenen, bewusst künstlichen Sound zu verleihen.

2009 kam der Musiker Michael Gregory aus Brooklyn auf die Idee, Autotune zu verwenden, um aus Nachrichtenschnipseln kleine Musikstücke zu basteln und diese Songs auf Youtube hochzuladen. Damit war er derart erfolgreich, dass er andere Musiker und Sänger mit an Bord holte. Die so entstandene Band “The Gregory Brothers” schuf mit dem “Bed Intruder Song” schließlich nicht nur das meistgesehene Youtube Video 2010, sondern schafften es damit auch auch Platz 1 der iTunes Charts.
Nun haben die Gregory Brothers sich ein Video vorgeknöpft, in dem der amerikanische Pastor Joe Nelms vor einem NASCAR Autorennen ein etwas ungewöhnliches Gebet spricht. Das Original ist schon nicht schlecht.  Aber die Autotune-verfremdete Country-Gospel-Version hat etwas mehr drive.

Weitere Autotune-Beispiele kommen auch aus Deutschland. Blinkenlichten, die Produktionsfirma des Netzjournalisten Mario Sixtus, hat sich einen Spaß daraus gemacht, Interviewausschnitte von Politikern wie Guido Westerwelle, Angela Merkel und Claudia Roth zu einem Song zu montieren.

Wer selbst Originalmaterial in einen neuen Kontextbringen möchte, der hat zur Zeit eine besonders gute Gelegenheit dafür. Die Autotune-Technik gibt es mittlerweile auch als sogenannte “Songify” App für iPhone, iPod Touch und iPad. Zur Zeit kann man die App gratis aus dem iTunes App Store herunterladen.

 

Foto: CC Flickr/ radio saigón