• 14. Juni 2013 21:06
  • Netzmusik, Sendung vom 15.06.2013

Von brenzligen Barios zu protestierenden Plätzen


Die Stuyvesants kommen aus dem New Yorker Viertel Bedford-Stuyvesant. Eine Gegend, die früher mal bekannt war für ihre Drogen-Dealer und Crack-Konsumenten, mittlerweile ziehen auch die Hipster aus den teureren Vierteln hierher. Der Produzent Allan Cole und der DJ Darien Victor sind hier aber groß geworden. Und sie lieben die Musik der 70er-Jahre, die Zeit, in der der Soul symphonisch wurde. Deswegen haben sie in ihrem Namen auch ein „The“, wie die anderen großen Soul-Bands der 70er: The O’Jays, The Stylistics, The Spinners.

Die beiden lieben aber nicht nur die Musik der Zeit, die sie mit Hip-Hop-Beats garnieren, sondern auch den Look. Und deswegen gibt es auf ihrer Homepage zu jedem der 25 Instrumental-Tracks ein eigenes weichgezeichnetes 70er-Jahre-Revival-Cover.

Indie-Pop mit Geschmack

Die 70er persönlich gar nicht mitbekommen haben The Elwins, vier Jungs aus Kanada, die vor 5 Jahren ihre Band gegründet haben.  The Beatles, The Beach Boys, Vampire Weekend sind ihre Vorbilder. Also Bands mit Gitarren, mit Melodien, mit gefühlvollen Typen. The Elwins haben ausserdem noch gude Laune. Und auch ausserhalb ihrer eigenen Songs Geschmack. Deswegen haben sie sicherlich auch den Beyonce-Banger “Countdown” gecovert und ein Indie-Idyll daraus gemacht.

Von Memen und Märchen

In der vergangenen Woche haben wir auch in Breitband über die Proteste auf dem Taksim-Platz in Istanbul und seine Spiegelungen und Brechungen weltweit im Netz gesprochen. Aber es sind noch Meme und Märchen dazu gekommen. Alle Protestierenden seien zum Beispiel Capulcu, Plünderer. So hatte Erdogan in einer Rede anfang Juni die Menschen auf dem Taksim-Platz und im Gezi-Park genannt. Dann hat Mittwoch-Nacht ein sizilianischer Pianist, der in Konstanz lebt, auf dem Platz Klavier gespielt, umringt von Demonstranten und Polizisten, und es gab keine Zusammenstöße.

Aber Davide Martello ist nicht der einzige, der Musik macht für die Capulcu. Die türkische Sängerin Nazan Öncel hat zusammen mit dem Capulcu Orchestra das Lied „Güya“ veröffentlicht. “Güya” ist türkisch und bedeutet auf Deutsch, „angeblich“. Angeblich, sagt Erdogan, sein in der Türkei alles in Ordnung, nur die Demonstranten seien das Problem. Diese Haltung kritisieren die Künstler.

Ein anderer Protest-Song kommt von der türkischen Rockband Duman. Sie haben ihr Lied “Eyvallah” auf Youtube hochgeladen, und Millionen Klicks generiert. Sie singen in ihrem Lied über die Staatskräfte, die Tränengas, Tritte und Stöcke haben, und trotzdem nicht gegen den Idealismus der Protestierenden ankommen.

Mehr über die Situation rund um Gezi-Park und die Protest-Songs auch hier.

Die Netzmusik hat Vivian Perkovic zusammen gestellt.

 

1. The Stuyvesants – Mind Traveling

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2. The Elwins – Forgetful Assistance

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3. The Elwins – Countdown

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4. Duman – Eyvallah

Link Bild  (Leider gibt es den Song nur im Stream, nicht als Gratis-Download)

 

5. Nazan Öncel Capulcu Orkestra – Güya

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6. The Stuyvesants – The Stuy (Forever)

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Foto: Nazan Öncel Capulcu Orkestra

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