• 15. August 2014 17:08
  • Breitband², Sendung vom 16.08.2014
  • 11 Kommentare

Video killed the radio star – schon wieder?

Podcasten in Deutschland: der Status Quo


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Vor gut zehn Jahren begann eine kleine Hör-Revolution. Die ersten Podcasts gingen auf Sendung und brachten ein großes Versprechen mit: Die Medienproduktion sollte demokratisiert werden. Unabhängig von traditionellen Sendern und Radiostationen kann seitdem jeder sein eigenes Format ins Netz schicken. Ob Filmbesprechungen, Anleitungen zum Backen oder Techniktalk – den Inhalten sind keine Grenzen gesetzt. Doch genau da setzt nun zum zehnjährigen Podcast-Jubiläum die Kritik an: Der Podcast verharre in der Nische und zeichne sich vor allem durch eine Gleichförmigkeit aus, sei es in seiner Form, seinen Themen oder der MacherInnen.

Die Formate in Deutschland haben oft Vorbilder aus der US-Podcastszene – doch unterscheiden sie sich häufig, was Form und Inhalte betrifft. Während dem typisch deutschen Podcast böswillig nachgesagt  wird, er sei eine dreistündige Unterhaltung zwischen weißen, männlichen Technik-Nerds, zeichnet sich das amerikanische Äquivalent durch aufwendige Produktionen aus, die Feature-Charakter haben. Darüber wollen wir ebenso diskutieren wie über die Unterschiede zu Webvideos: Während der Podcast von vielen am Rande wahrgenommen wird, sind selbst produzierte Videos auf Youtube äußerst erfolgreich und gelten vor allem junge Youtube-Stars gefeierte Medien-Revolutionäre. Warum scheint der Audio-Variante dieser Erfolg bisher verwehrt? Sind am Ende auch die vielfältigen Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks daran schuld?

Wir sprechen über den Status Quo des Podcasts: Wo steht die Podcastszene in Deutschland? Ist die Kritik berechtigt? Und was macht den Podcast überhaupt zum Podcast, wie grenzt er sich zu herkömmlichen Radioangeboten ab und wie könnte seine Zukunft aussehen?

Marcus Richter möchte diese Fragen mit folgenden Gästen beantworten:

Nele Heise, Medienforscherin an der Uni Hamburg, verfolgt das Thema seit Jahren: Sie schrieb ihre Dissertation über Podcasts und initiierte Anfang der Woche die kollaborative Liste „Frauen machen Podcasts“.

Holger Klein kennt als Hörfunkjournalist beim rbb und als Podcaster (etwa von NSFW und WRINT) beide Aspekte des Sendens: die des öffentlich-rechtliche und die private.

Marcus Engert ist Mitgründer und Chefredakteur des Leipziger Webradios detektor.fm und macht sich schon lange Gedanken zur Zukunft des (Online-)Radios.

Links:

Die Sedungfäden hält Meike Laaf zusammen, das Netz bestückt Miriam Sandabad.

Foto: „Video killed the radio star“ von Dyxie, CC BY 2.0

Kommentare

    Schön wäre es, hier auch die Lieblingspodcasts, die am Ende der Sendung empfohlen wurden, verlinkt zu finden…

    Ich schliesse mich obigem Kommentar an. Vor allem die englischen Angebote…

    Ein Aspekt, der in der momentanen Diskussion – vielleicht dem Sommerloch geschuldet – ist die technologische Barriere.
    Das vielzitierte YouTube stellt dem Betrachter keinerlei Barrieren entgegen. Der Play-Button ist als Symbol so bekannt, dass wirklich jeder ein Video nach Wahl ansehen kann.
    Ein Podcast ist aber ein Audio-Inhalt und macht mehr Sinn, wenn man in nebenbei hört.
    Das ist von der Website nur eingeschränkt möglich und die beste Konsum-Methode ist ein Podcatcher.
    Den muss man gegebenfalls installieren, die gesuchten Inhalte finden und abonnieren.
    Sicher nicht wirklich Quantenphysik, aber doch eine Hürde.

    Korrektur: „Ein Aspekt, der in der momentanen Diskussion – vielleicht dem Sommerloch geschuldet – ZU KURZ KOMMT, ist die technologische Barriere.“

    Ich finde die deutsche Podcast-Szene extrem enttäuschend. Sämtliche Angebote bei der Hörsuppe geben ein Bild des grauens. Ihr verlinkt ja selber auf die englisch sprachigen Formate, wo weit mehr Mut bewiesen wird und auch mal Geld in die Hand genommen wird. Oder zumindest Anstrengungen unternommen werden wie P. Banse mit seinen Projekten. Die meißten aus der Deutschen Podcast Szene sitzen nur rum und labern. Ich sehe in den Formaten von Pritlove, Klein und Konsorten wenig was wirklich bahnbrechend ist. Es ist halt alles sehr Deutsch was da abgesondert wird und die Fanbase die das unterstüzt reicht das leider, bejubelt es und nimmt sich selber ein Mikrofon um den 100. Tech-Podcast aufzunehmen. Ich finde es schade dass der deutschen Hörerschaft das genügt. Es sind zu schwache Formate, zu viel das selbe. Herr Klein probiert ja wenigstens Anrufer-Formate aus, die er aus dem Radio mitgenommen hat, aber da scheitert es ja jedesmal daran dass es halt doch wieder nur Holger Klein in Gewand X ist. Ich wünsche mir wirklich dass wir mehr P. Banse bekommen und weniger Apple-Podcasts und Sabbel-Podcast alá Holger Klein bekommen. Erfrischend ist dagegen die Medien-Kuh die wenigstens ein Script und Einspieler hat. Das ist Medienverstand der dort prkatiziert wird. Herr Klein ist leider nur Medien-Sau.

    Bis zur Stelle, wo – endlich! – Nele Heise nach nochmaliger Vorstellung des Moderators (!) zu Wort kommt, sind schon mehrere Minuten Einleitungsblabla verstrichen.

    Das blöde an den meisten Podcasts ist, dass sie nicht zum Punkt kommen bzw. dafür ewig brauchen.

    Leute, die Lebenszeit ist begrenzt, das Medienangebot riesig.

    Denkt dran, wenn Ihr Podcasts macht!

    Schöne Sendung!

    Gerne würde ich ergänzen: Es gibt sogar Podcaster die den Grimme Online Award bekommen haben: http://soziopod.de/

    Und der ganze Bereich der Podcaster, die dieses Medium als Marketinginstrument nutzen, wurde nicht erwähnt. Das geht über BASF, Autofirmen hin zu den Trainern und Coachs. So gibt es das Abenteuer Leben beispielsweise bereits seit 2005! http://www.dasabenteuerleben.de/

    Ich gebe Oliver recht, dass Podcast hören immer noch für viele eine Hürde ist. Es ist zwar mit den Smartphones sehr viel einfacher geworden, doch könnte in dieser Richtung mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden ;-)

    Die von den drei Gästen empfohlenen Podcasts sind In trockenen Büchern (http://in-trockenen-buechern.de), Viva Britannia (http://www.vivabritannia.de), das Küchenradio (http://www.kuechenstud.io/kuechenradio/) und als Übersicht die Hörsuppe (http://hoersuppe.de). Vielen Dank für die Erwähnung!

    Ein ergänzendes Interview mit Holger Klein zum Thema Radio vs. Podcasting hat übrigens mein Podcasting-Kollege Sebastian Bartoschek geführt: http://www.ruhrbarone.de/holgi/86384

    Mich hat sehr verwundert, dass Holger „Holgi“ Klein von Marcus „monxyd“ Richter gesiezt wurde. Und warum verschweigt monoxyd, dass er selbst podcastet?

    Auf mich wirkt das so, als sollte der Eindruck verhindert werden, dass zwischen Moderatoren und Gästen eine Art „Seilschaft“ bestehen könnte. Das sollte man dann doch lieber offenlegen als schamhaft verstecken, finde ich. Ich hätte nie gedacht, dass unsere großem podcaster (zu denen sowohl Hogi als auch monoxyd gehören) ihr Publikum dermaßen in die Irre führen würden. Warum diese Intransparenz?

    Ebenso gestört hat mich dieses neumodosche Genörgel über den WHM (White Heterosexual Male) – hier in der Variante „wei0er Mann über 35“. Weshalb nun gerade die Pioniere des Podcasts, die nunmal weiße Männer sind (übrigens oft unter 35), hier quasi „mit der Kneifzange“ angefasst werden, erscheint mir ebenso unaufrichtig.

    Lieber Marcus, lieber Holgi, legt doch einfach das Mikrophon aus der Hand und überlasst es den Frauen.

    Anstatt rumzumeckern.

    Das wäre dann immerhin aufrichtig und konsequent.

    Zu Technikpodcasts: Schaut doch mal auf den Zeitschriftenmarkt – wieviel Auto- und Computerzeitschriften es gibt.

    Und schaut mal auf YouTube: Bibi und andere weibliche Stars – von soviel Klicks könnt ihr ach so dominanten weißen männlichen Podcaster nur träumen.

    Aber in eurer rosa Eichhörnchen-Welt könnt ihr euch ja nicht vorstellen, dass Männer und Frauen unterschiedlich ticken, unterschiedliche Motivationen haben.

    Dass die prinzipbedingt nerdigen Podcasts – lange Formate, reines Audio, dadurch starke Abkapselung von der Außenwelt – eine besondere Zielgruppe anprechen, nämlich den „klassischen“, also männlichen Nerd, ist ja nun nicht verwunderlich. Sind Podcast dafür gemacht, in einer Gruppe gemeinsam gehört zu werden? Dafür müssten sie inhaltlich näher am Fernsehen oder Radio sein, stärker auf Unterhaltung setzen. Musikpodcasts könnten vielleicht an die YouTube-Kultur anschließen, nur gibt es da leider ebn starke rechtliche Beschränkungen.

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