• 2. Juli 2010 14:07
  • Sendung vom 03.07.2010, Topic

Vergessen kann man vergessen

Brauchen wir ein Verfallsdatum für Daten?


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Selten wurde über das Nicht-Vergessen-Können eines Mediums so intensiv diskutiert, wie in diesen Zeiten, wenn es um das Internet geht. Zwei Extreme lassen sich in der Debatte um das Erinnern und das Vergessen im Internet beschreiben: Da ist zum einen die These Gordon Bells vom totalen Datensatz, der uns ewiges Leben beschert. Bell arbeitet bereits am digitalen Gedächtnis und zeichnet quasi sein gesamtes Leben auf. Dagegen steht Victor Mayer-Schönberger mit seiner These von einem Datensatz, der uns lebenslang paranoid verfolgt, weshalb wir Löschdaten einführen müssen.

Doch inwieweit werden diese beiden Pole einer Debatte überhaupt den realen Möglichkeiten des Internets gerecht? Wie groß ist die persönliche Bedrohung von Daten angesichts der Tatsache, dass – so neuere Studien – 80 Prozent aller Webseiten ohnehin keine längere Lebenszeit als ein Jahr haben? Und wie steht es um die gesellschaftliche Dimension: Löschen wir Daten regelmäßig, könnte das die Entwicklung eines kulturellen Gedächtnisses erheblich beeinträchtigen. Während andererseits zu fragen ist, ob bei der Schnelligkeit, mit der im Internet Daten entstehen, verschwinden oder überschrieben werden, überhaupt ein kulturelles Gedächtnis entstehen kann – wenn man noch zusätzlich bedenkt, dass die gesamte Dynamik der Daten einem „PageRank“-Algorithmus unterliegt.

Bleibt außerdem die Frage: Kann man vergessen anordnen? Versuchen Sie mal zu vergessen, was Sie unbedingt vergessen wollen. Viel Spaß dabei. Wir reden über das ganze Thema mit dem Medienwissenschaftler und Leiter der Hauptabteilung Kultur und Musik im Deutschlandradio Kultur Dr. Wolfgang Hagen.