• 25. März 2011 21:03
  • Netzpolitik, Sendung vom 26.03.2011, Topic

Uncle Sam tweets you!

Politische Propaganda über Soziale Netzwerke


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Bilder können internationale Beziehungen beeinflussen, das haben die Bilder aus dem Gefängnis Abu Ghraib gezeigt, auf denen eine US-Soldatin männliche, irakische Gefangene demütigt. Bilder wirken in den Köpfen der Menschen und Bilder sind schnell gemacht und heute noch schneller in alle Welt verbreitet. Auch wenn das US-Militär viele Bilder gerne unterdrücken würde, schaffen es einige doch an die Öffentlichkeit – wie jetzt die des sogenannten „Kill Teams“, Soldaten, die anscheinend zum Spaß in Afghanistan Menschen töteten. Bilder oder Videos von Handykameras können, wie in Tunesien zur Transparenz beitragen, können Licht ins zensierte Dunkel bringen und Despoten das Fürchten lehren. Doch diese Wirkung ist keine Einbahnstraße. Was wäre wenn man internationale Konflikte gezielt mit falschen Bilder, Informationen und Gerüchten steuern könnte?

Regierungen, Geheimdienste und Militärs weltweit machen sich das Internet zu Nutze. Sie haben die Bedeutung sozialer Netzwerke erkannt und wollen sie sich für ihre kriegerischen Zwecke zu Nutze machen. Das US-Militär hat jetzt einen Auftrag erteilt, um eine Software zu erstellen, mit deren Hilfe Cyber-Krieger bis zu zehn Profile in sozialen Netzwerken erstellen und kontrollieren können, ohne, dass auch geübte Nutzer erkennen, dass es sich hierbei um eine manipulierte Identität handelt. Propaganda im Zeitalter des Internet.
Auch China rüstet auf und geht im Internet den gleichen Weg, den es auch in traditionellen Medien geht. Mit regierungsfreundlichen Sendern im Nachrichten-Gewand drängt das chinesische Staatsfernsehen international auf die Märkte in Europa, Nordamerika, Afrika und dem Mittleren Osten. Im Internet geht die Regierung offenbar denselben Weg: hin zu gezielten „guten“ Informationen, weg von den „schädlichen“ Nachrichten.
Aber auch nichtstaatliche Akteure nutzen die sozialen Netzwerke für ihre Zwecke: schüren Hass, streuen gezielt Desinformation, wiegeln auf und versuchen einen Konflikt via Internet zu steuern.

Über neue Formen von Propaganda sprechen wir in dieser Sendung mit dem Medienwissenschaftler Martin Löffelholz von der Technischen Universität in Ilmenau.