• 22. November 2008 12:11
  • Sendung vom 22.11.2008, Topic

Tränenfriedhöfe und Online-Begräbnisse


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Für das Trauern im Internet gibt es viele Adressen. Zum Beispiel www.virtuellerfriedhof.de. Gedacht für Menschen, die ein geliebtes Tier verloren haben, ob deutscher Schäferhund, persische Katze oder Zwergkaninchen aus Mischlingszucht.
Die ersten virtuellen Friedhöfe entstanden Anfang der 1990er Jahre auf Internetseiten in Amerika. Der große Vorteil: Diese Friedhöfe sind weltweit erreichbar und können bei relativ geringen Kosten sehr individuell gestaltet werden. Die Todesanzeigen sind dann nicht, wie in der Tageszeitung, nur kurzzeitig zu finden, sondern man kann sie permanent abrufen.
Viele der Seiten bieten virtuelle Wege aus der Trauer – die meisten sind privat finanziert und verfolgen keine finanziellen Interessen. Die Erinnerungsseiten an die Verstorbenen sind meist liebevoll  gestaltet; sie beinhalten Lebensläufe, Fotoalben, Gedichte und Gedanken, aber auch Unfallberichte, persönliche Schilderungen und sehr oft auch eine Erinnerung an den furchtbaren Moment, in dem jemand die traurige Nachricht erhalten hatte. Auch auf virtuellen Friedhöfen wird reale Trauer verarbeitet. Doch im Internet gibt es auch seltsame Auswüchse der Trauer. Wenn Kondolenzlisten nicht moderiert werden, kommt es immer wieder zu verletzenden Einträgen.

Ist Trauer im Internet nur eine andere Form des realen Umgangs? Bislang gibt es kaum Therapieangebote im Netz. Eine Ausnahme ist Dr. Birgit Wagner von der Uni Zürich.  Experten raten von privaten Seiten ab, bei denen nicht erkennbar ist, ob sie über eine entsprechende Ausbildung verfügen. Eine Ausnahme ist der Verein Verwaiste  Eltern – deren Internetseite wird zwar von Betroffenen gemacht, aber von Psychologen unterstützt.