• 2. März 2009 14:03
  • Off-Air, Sendung vom 07.03.2009

Surfen bis das Klima kippt – In Hannover beginnt die Cebit


Zehn Kraftwerke werden in Deutschland benötigt, um den Strombedarf von Computern, Internet, Handy und Co zu decken. Tendenz noch immer steigend. In den letzten zehn Jahren hat sich der Stromverbrauch in der Kommunikationstechnik verdoppelt. Das ist nicht nur umweltbelastend, sondern auch eine Kostenfrage für die Unternehmen und die Verbraucher. Die Zahlen sind so alarmierend, dass das Thema Green IT schon eine Weile ganz oben auf der Tagesordnung von Fachmessen und -Kongressen steht. So auch auf der heute Abend beginnenden Cebit

Rund 33 Millionen Tonnen CO2 werden pro Jahr durch Surfen, Mailen, Rechnen und Telefonieren in Deutschland freigesetzt – das ist etwa das Niveau des innerdeutschen Flugverkehrs. Doch wer weiß das schon? „In der Breite sind zumindest diese Zahlen noch nicht bekannt und das Bewusstsein noch nicht ausgeprägt, um die Einsparpotentiale zu erschließen“, konstatiert Siegfried Behrendt vom Berliner Institut für Zukunftsstudien. Dabei ist es ganz einfach, Strom und auch Geld zu sparen. Allein die Angewohnheit, den Computer – sagen wir drei Stunden pro Tag – ungenutzt laufen zu lassen, kostet einen Nutzer Strom im Wert von rund zwölf Euro im Jahr. Man rechne das hoch auf geschätzte 30 Millionen Privat-PCs in Deutschland.

Und so gäbe es etliche Gelegenheiten, ein wenig umweltfreundlicher zu agieren. Mario Tobias vom Bundesverband für Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, BITKOM. „Viele lassen in der Mittagspause über den Bildschirm bunte Bilder aus dem letzten Urlaub flitzen. Das ist schön, aber es kostet Energie. Wenn ich den schwarzfahren lasse, den Bildschirm, spare ich Energie. Wenn ich abends nach Hause komme und stecke das Steckernetzteil von meinem Handy ein und nehme´s am nächsten Morgen erst raus, dann zieht der Stecker über die Nacht Strom. Bei der Tagesschau rein stecken, bei den Tagesthemen raus ziehen, spart mir Strom.“ 

Natürlich empfiehlt Branchenvertreter Tobias den Nutzern auch, stromhungrige Altgeräte gegen moderne Technik auszutauschen. Trotz aller Kritik an dem dabei entstehenden Elektroschrott und dem Argument, dass für die Herstellung eines neuen PCs weit mehr Energie eingesetzt werden muss, als der Käufer jemals einsparen kann. Egal, es rechnet sich trotzdem, meint der BITKOM-Mann. „Wir haben das letztes Jahr auf der Cebit gezeigt, ein Büro, wie’s noch 2003 ausgeschaut hat, und eins, dass Sie heute mit aktuellen Geräten kaufen können, spart über ein Jahr 75 % an Energie. Mit den 130 € haben Sie schon wieder den Flachbildschirm raus, den es neu zu kaufen gilt.“ 

Allerdings sollte auch die Politik mithelfen, meint Siegfried Behrendt vom Berliner Institut für Zukunftsstudien. Schließlich könne man vom Nutzer nicht erwarten, im Laden einwandfrei umweltfreundliche Geräte identifizieren zu können – etwa solche, die einen niedrigen Standby-Verbrauch haben. „Auch an die muss man denken und Rahmenbedingungen schaffen. Ich bin optimistisch, da die EU-Kommission endlich nach 10 Jahren Diskussion beschlossen hat, den Standby-Betrieb solcher Geräte auf ca. 1 Watt zu begrenzen. Auf europäischer Ebene wird man hier ein Kraftwerk einsparen können.“ 

Ob mit Neugerät oder neuem Umweltbewusstsein: Mit beidem ließen sich eine Trendwende erzielen – ohne dass sich jemand ernsthaft einschränken müsste, erklärt Behrendt. „Wenn man diese Möglichkeiten ausnutzen würde, dann würde der Strombedarf nicht ansteigen, sondern ungefähr das Niveau halten, das wir heute haben. Aber die Leistung würde sich enorm steigern.“ / vli
Die Cebit bei den Kollegen des Deutschlandfunks.