• 2. September 2011 17:09
  • Sendung vom 03.09.2011, Topic

Soviel Transparenz war nie

Eitelkeit der Whistleblower ohne Rücksicht auf Verluste.


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Eine Datei mit brisanten Informationen liegt frei zugänglich im Internet. Das Passwort gibt es gleich dazu. Dieser Umstand an sich ist schon ein Skandal, bedenkt man, dass es sich um Informationen handelt, die Menschen weitergegeben haben, um Misstände aufzudecken und in dem Vertrauen darauf, dass ihr Name niemals mit diesen Informationen in Verbindung gebracht wird.
Nun ist für jeden Interessierten erkennbar, schreibt Der Spiegel, wer hier geheime Informationen weitergegeben hat. Im Falle von totalitären Regimen kann das für denjenigen ernsthafte, lebensgefährliche Konsequenzen haben.

Nun hat nicht irgendjemand diese Datei im Internet platziert, sondern ausgerechnet die Organisation, die Informanten absolute Geheimhaltung versprochen hat und deren Mitstreiter in puncto Datensicherheit hoch sensibilisierte Hacker sind.

Nun hatten sich zwei von ihnen, Wikileaks Gründer Julian Assange und sein Vertrauter Daniel Domscheit-Berg, im Streit getrennt, mit anschließender Schlammschlacht in aller Öffentlichkeit. Domscheit-Berg kündigte an, eine eigene Whistleblower Plattform zu Gründen, die er kürzlich (nicht ohne Kontroverse) vorstellte.

Ein Journalist der englischen Zeitung The Guardian veröffentlichte das Passwort zu der geheimen Datei in seinem Buch über Assange. Das Buch erschien im Frühjahr 2011. Die deutsche Wochenzeitung Der Freitag ist im Besitz einer unzensierten Datei und fügte nun die Puzzleteile zusammen.

Welche Machtspiele im Hintergrund dieses Skandals stattgefunden haben, bleibt unbekannt. Ein Teil der Motivation dürfte aus gekränkter Eitelkeit der Mitspieler und ihrer Verbündeten bestanden haben. Doch eines ist offensichtlich: Verlierer dieses Spiels um Macht und Eitelkeit sind die Informanten und die Wahrheit, denn wer wird sich in Zukunft noch einer solchen Plattform anvertrauen?

Philipp Banse fasst die Ereignisse zusammen, anschließend sprechen wir in der Sendung mit Guido Strack vom Whistleblower Netzwerk über die Auswirkungen des Skandals auf Whistleblower Plattformen.