• 18. August 2010 11:08
  • Besprechung, Digitale Kultur, Sendung vom 21.08.2010, Technologie

Sind wir nicht alle ein bisschen Google?

KAMERA-DROHNEN FÜR JEDERMANN GIBT ES IM ELEKTRONIK-FACHGESCHÄFT


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Wenn man sieht was für Wellen Google StreetView schlägt, dann möchte man gar nicht wissen, was für einen Tsunami eine Meldung der Wirtschaftswoche hätte auslösen können: Demnach plante Google offenbar, mithilfe von Drohnen made in Germany seine Luftbilder für Google Earth zu präzisieren.

Manche Elektro-Hummeln können mit bis zu 80 Stundenkilometer einige tausend Meter weit fliegen. Auch vordefinierte Routen. Hochauflösende Kameras im Bauch der unbemannten Flugobjekte filmen, wenn es sein soll, auch in Wohnungen hinein oder – mit Wärmekameras ausgestattet – im Dunkeln. Nahezu lautlos und völlig automatisch, versteht sich. Google dementierte die Nachricht noch bevor das Drohnen-Gerücht die bereits schwelende StreetView-Debatte noch weiter anheizen konnte. Man wolle nicht mit Drohnen arbeiten, ein einzelner Mitarbeiter habe das Gerät aus privatem Interesse an Robotik bestellt.

Plausibel. Denn Drohnen sind tatsächlich die fliegenden Wunderwerke des Jahrhunderts, auch für Google-Mitarbeiter. Durch günstige Computerchips, leistungsfähige Antriebe und drahtlose Kameras werden Drohnen auch im Hobby-Bereich immer erschwinglicher. Neben den professionellen Geräten für Polizei-Einsätze, Luftbilder oder wissenschaftliche Zwecke hat sich in den letzten Jahren eine große Selbstbau-Community gebildet, die ihre Entwicklungen oft im Open-Source-Prinzip teilt und weitergibt. Was früher der Hobbykeller-Modellflugbastler war ist heute der Internet-Drohnen-Nerd, dessen Fluggerät selbstständig die Wolkendecke durchbricht, damit er das Bord-Video danach ins Netz stellen kann.

Jetzt rückt der Traum vom Fliegen noch näher an den Konsumenten-. Mit der „AR.Drone“ kam am Mittwoch ein voll funktionsfähiges unbemanntes Flugobjekt in die hiesigen Elektronik-Fachmärkte. Gesteuert wird es mit dem iPhone, auf dem auch die Kamerabilder angezeigt werden. Sogar Augmented-Reality-Games sind möglich mit dem 300-Euro Flugroboter.
Ob die AR.Drone als Drohnen-Plattform ein langfristiger Markt-Erfolg auch jenseits der Spiele-Welt wird, hängt von der Offenheit des Linux-getriebenen Gerätes ab. Der Onboard-Computer hat so viel Prozessorleistung wie ein mittelmäßiges Smartphone. Falls Entwicklern neben den Möglichkeiten zum Entwickeln eigener iPhone-Games auch Zugriff auf das eingesetzte Bord-Linux geschaffen wird – oder Hacker sich den Weg selber bahnen: Die AR.Drone flöge autonom, zum Beispiel nach Wegmarken bei Google Maps. Sky-View für jedermann! Mit ihren geschlossenen Innereien bleibt die AR.Drone aber ein unterhaltsames Spielzeug das nach einer lustigen Ausprobier- und Vorführphase so aufregend ist wie ein Mountain-Bike auf Schienen.

Breitband-Kollege Moritz Metz hat eines der Geräte besorgt und testgeflogenbevor es unglücklicherweise in den Berliner Nachthimmel verschwand.

Foto: ponte1112 /flickr cc