• 8. Juni 2013 11:06
  • Besprechung, Sendung vom 08.06.2013

Die offene Gesellschaft und ihre Fassade

Clay Shirky über Transparenz, Netzpolitik und #Occupygezi


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Der Internet-Experte und Medienwissenschaftler Clay Shirky ist ein großer Fan offener Systeme und des Prinzips Open Source. Kritikern sagt er: Alles wird gut werden. Vor allem, wenn sich das politische System eine Scheibe davon abschneidet. Haben wir mehr Transparenz und Macht in diesem Zeitalter, oder nicht? Max von Malotki hat mit Clay Shirky gesprochen.

Das Risiko offener Strukturen, sagt Shirky, war immer, das die Machthaber Offenheit nur simulieren. Bei der Open Government Bewegung macht etwa die US-amerikanische Regierung begeistert mit und legt Informationen über Busfahrpläne oder Schlaglöcher offen. Bei heikleren Themen sieht es anders aus – etwa wenn es um die staatliche Auftragsvergabe und den Umgang mit Steuergeldern geht.

Wie offen kann die Gesellschaft sein? Auch Shirky glaubt: Eine intakte Gesellschaft braucht eine Privatsphäre. Nur dürfe das nicht als Argument gegen eine größere Öffnung missbraucht werden.

Es gibt kein Land der Welt, das durch das Internet autokratischer geworden ist, sagt Shirky. Im Gegenteil: Die Leute, die den Taksim-Platz besetzt haben, haben ein ganzes Archiv von Aufnahmen erstellt, die türkische Regierung hat keine unbegrenzte Kontrolle mehr über die Medien. Trotzdem heißt das nicht, das gleich ein „demokratisches Paradies“ entsteht. Das hat der arabische Frühling gezeigt.

Das Interview mit Clay Shirky in der englischen Originalfassung:


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Foto: NMD Spesial med Clay Shirky, 2011. Von Eirik Helland Urke, CC-by-SA