• 23. September 2016 09:09
  • Formate, Sendung vom 24.09.2016, Sendungsüberblick

Schwedische Modelle und unfaire Rezensions-Regeln


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Deutschland ist Entwicklungsland. Zumindest wenn es um den Breitband-Ausbau geht. Selbst in Städten ist längst nicht an jedem Haus richtig schnelles Internet zu bekommen, auf dem Land wären viele schon glücklich, wenn die Verbindung ein zweistellige Mbit-Übertragungsrate hätte.

Viele mittelständische Unternehmen in ländlichen Gebieten fühlen sich abgehängt, ziehen in größere Städte oder gleich ins Ausland, wie kürzlich auch die Wochenzeitung Die Zeit schrieb: „Mancher Weltmarktführer müsse sich überdies seinen eigenen Sendemast bauen und das schnelle Internet quasi durch die Luft in die abgelegene Provinz holen, um nicht von der technischen Entwicklung 4.0 abgeschnitten zu sein.“ Der Artikel kommt sogar zu dem Schluss, dass auch dies eine Rolle spiele, warum der Rechtspoplismus in diesen Regionen so erstarke.

Netzaktivisten mit 16-Mbit-Anschluss

Die Netzaktivisten Anke Domscheit-Berg und Daniel Berg, die selbst nur einen 16-Mbit-Anschluss auf dem Land haben, wollen dies nun endlich in Angriff nehmen und mit einem Start-Up den Markt neu aufrollen. Open Giga soll ein offener Marktplatz sein, auf denen Anbieter ihre Dienste anbieten sollen. Zum Vorbild wird hier das schwedische Modell genommen. Dort bauen die Kommunen passive Glasfasernetze mit offenen Schnittstellen. Die aktiven Komponenten werden dann von Dritten betrieben. Ein Kunde kann sich sozusagen das beste Angebot für sich zusammenklicken, die Kommune verdient daran.

Helfen soll dabei auch der „Breitbandjesus“ Jonas Birgersson der mit seinem Unternehmen ViaEurope Sverige AB den Breitbandausbau in Schweden mit dem offenen Marktplatz-Prinzip revolutionierte. Falk Steiner schaut sich die Idee für uns genau an.

Bald stört sie nicht mehr

Entwicklungsland ist Deutschland auch, wenn es um offene W-Lan Angebote geht. Vor allem weil es durch die sogenannte Störerhaftung keine Rechtssicherheit für die Anbieter gibt. Das führt zu Wifi-Wüsten und extrem teuren Verträgen für mobiles Internet – es ist ja keine Konkurrenz zu fürchten. Jetzt soll sie endlich (mal wieder) abgeschafft werden.

Der Europäische Gerichtshof hat Betreiber solcher Netzwerke zwar gerade rechtlich gestärkt, sie aber ausdrücklich nicht komplett abgeschafft und in der nationalen Rechtssprechung steht sie leider weiterhin im Telemediengesetz der Großen Koalition. Matthias Finger über Chancen endlich Rechtssicherheit zu schaffen und den Zombie „Störerhaftung“ endlich in sein wohlverdientes Grab zu legen. In Schweden gibt es sie übrigens nicht.

Ohne Schlüssel keine wertvolle Meinung

Valve Spieleplattform Steam ist in den letzten Tagen in die Kritik geraten. Neue Regeln für Reviews – eine extrem wichtige Währung auf dem Game-Markplatz – wird von vielen Spielern und Entwicklern für unfair gehalten. Denn jetzt dürfen nur noch die rezensieren, die das Spiel auch wirklich über die Plattform gekauft haben.

Damit sollen zwar sogenannte „false positives“ ausschließen, also gutklingende Rezensionen um dafür im Tausch einen Spiele-Code zu bekommen, aber es schließt eben auch die Spieler aus, die das Spiel auf anderen Märkten gekauft haben oder es sogar über Kickstarter finanziert haben. Steam ist der größte Online-Markt für PC-Games, ist er zu mächtig geworden? Wir sprechen darüber mit Johannes Kristmann, fünfzig Prozent des Entwicklerstudios „Maschinen-Mensch“.

Whistleblower-Blockbuster

Ist der Whistleblower Edward Snowden ein Held oder ein Verräter? Eine Frage, die in unterschiedlichster Form bereits diskutiert wurde und jetzt auch nochmal in den Kinos stattfindet. Seit Donnerstag ist auch bei uns Oliver Stones Spielfilm „Snowden“ zu sehen. Es ist ein Versuch das Leben von Edward Snowden nochmal genauer zu betrachten. Der Film selbst wird derzeit kontrovers diskutiert. Und auch wir wollen ihn einordnen und sprechen dafür mit Deutschlandradio Kultur-Filmkritiker Patrick Wellinski.

Der Rest vom Schützenfest

Vera Linß sammelt die Medien und Meinungen der Woche, unter anderem gibt es weiter Kritik am BND-Gesetz. Die über Stream und Funk international-grenzüberschreitend übertragene Sendung wird von Christian Conradi moderiert, der auch netzmusiziert, während im Hintergrund Marcus Richter und Jana Wuttke die Fäden ziehen und Jochen Dreier die Seite und die dazugehörigen Social-Media-Kanäle mit Inhalten befüllt.

Bild: broadband von Doc Searls auf Flickr CC BY