• 27. Juli 2010 23:07
  • Off-Air, Sendung vom 31.07.2010

Retter der freien Presse?

Was impliziert der Wikileaks-Coup für den investigativen Journalismus?


Während die amerikanische Politik um Schadensbegrenzung bemüht ist, sprich: mögliche Konsequenzen für „einzelne Beteiligte der Operation“ in Afghanistan unter Kontrolle zu behalten und das Leck zu finden, das für die Veröffentlichung von Militärakten zum Afghanistan-Krieg veranwortlich ist; während deutsche Politiker überlegen, was die Veröffentlichung von über 90.000 Dokumenten für das deutsche Engagement in Afghanistan bedeutet, stellt sich die Frage nach der Rolle von Wikileaks für die Medien im digitalen Zeitalter. Fakt ist: Das Portal hat mehr investigative Arbeit betrieben, als alle Zeitungen in den letzten zehn Jahren. Dank Digitalisierung sammelt das Portal digital vorliegende (Geheim-)Dokumente und sorgt für deren Veröffentlichung in traditionellen Medien. Hat Wikileaks damit die mediale Rangordnung umgekehrt, wie die NZZ schreibt? Ist das die neue Form von Journalismus: eine Plattform sammelt Material und die Medien greifen es auf, anstatt selbst zu recherchieren? Ist damit Wikileaks der „Retter der freien Presse“, wie carta behauptet? Ist das die Zukunft des Journalismus – die Auswertung von im Internet vorliegenden Daten, wie es die Washington Post vormacht, die hunderttausende Dokumente gesichtet hat und das Ergebnis seit vergangener Woche unter dem Titel „Top Secret America“ veröffentlicht?

Foto: flickr.com, CC von fuzziwuzzi