• 3. Dezember 2009 20:12
  • Netzökonomie, Off-Air, Sendung vom 05.12.2009
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Quantensprung? – Digitale Bibliothek als Antwort auf Google


Die Datenbanken von über 30.000 Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland sollen künftig über ein Portal im Internet abgerufen werden können – über die Deutsche Digitale Bibliothek (DBB). Das hat die Bundesregierung gestern beschlossen. Danach sollen digitale Kopien von Büchern, Bildern, Archivalien, Skulpturen, Noten, Musik und Filmen zugänglich gemacht werden. Der Dauerbetrieb soll 2011 starten. Finanziert wird der Aufbau der zentralen Infrastruktur mit Mitteln aus dem Konjunkturprogramm II des Bundes und der Dauerbetrieb je zur Hälfte von Bund und Ländern.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann bezeichnete die Errichtung als „Quantensprung in der Welt der digitalen Information“. Bestehende Urheber- und Leistungsschutzrechte würden im Rahmen der Deutschen Digitalen Bibliothek selbstverständlich uneingeschränkt gewahrt. Im Unterschied zu Google würden bei der DDB die Rechte-Inhaber zuerst gefragt und dann werde dokumentiert, so Neumann.

Bleibt nach wie vor die Frage, was mit den so genannten verwaisten Werken geschieht. Etwa 40 Prozent aller urheberrechtlich geschützten Titel weltweit sind nach Schätzungen der British Library verwaist, schreibt die Politologin Jeannette Hofmann in ihrem Artikel „Die Zukunft der digitalen Bibliothek“. Um das Problem zu lösen, schlägt die EU eine Lizenzierungsagentur vor. Dieses könnte die Genehmigung für die Digitalisierung verwaister Werke erteilen, sofern der Nachweis erbracht wird, dass eine sorgfältige Recherche nach dem Rechteinhaber ergebnislos verlaufen ist. Bleibt offen, wer sich diese kostspieligen Recherchen leisten kann.

Sicher ein Grund, weshalb der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die Mitte November neu ausgehandelte Vereinbarung zum Google Book Settlement zwiespältig bewertet hat. Vorsteher Gottfried Honnefelder sprach im DLR Kultur die Befürchtung aus, Europa (mit Ausnahme von Großbritannien) könne von der Buchdigitalisierung abgeschnitten werden. Umso mehr dürfte ihn die Schaffung einer Deutschen Digitalen Bibliothek – als Teil der Europeana – freuen. Auch wenn Fragen offen bleiben.
Foto: flickr, CC, von dierk schaefer
http://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/3326945338/

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