• 21. Februar 2008 09:02
  • Off-Air, Sendung vom 23.02.2008

Publikationen und Homepage der Harvard University frei zugänglich


In der Wissenschaft bahnt sich eine kleine Revolution an: die Fakultät „Arts and Sciences“ der Harvard University wird künftig die Artikel ihrer Mitarbeiter zur freien Verfügung im Internet bereitstellen. Ab April sollen alle Fakultäts-Mitglieder der Geisteswissenschaften ihre wissenschaftlichen Arbeiten sofort nach Fertigstellung einem eigens dafür eingerichteten „Office of Scholary Communication“ übergeben. Damit werden die Publikationen entsprechend dem Open Access Prinzip sofort unentgeltlich und weltweit als PDF abrufbar sein. Recherchierbar sein sollen sie unter anderem über spezielle Suchmaschinen wie Google Scholar. Harvard kooperiert seit 2004 mit dem Suchmaschinendienstleister, der den Bibliotheksbestand digitalisiert.
Die neue Lizenz ist nicht verpflichtend,  die Forscher können sich dafür entscheiden, eine Arbeit wie bisher den Fachzeitschriften zu überlassen.
„It should be a very powerful message to the academic community that we want and should have more control over how our work is used and disseminated,“ erläutert Stuart M. Shieber, Professor an der Faculty of Arts and Sciences (FAS) der Harvard-Universität in der Pressemitteilung.
Die Verlage halten dagegen am System des „Peer Review“ fest, das die Prüfung von wissenschaftlichen Artikel vor der Veröffentlichung gewährleiste. In den letzten Jahren sind jedoch die Abonnementspreise für wissenschaftliche Zeitschriften und Publikationen derart gestigen, dass eine möglichst weite Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse behindert wird. Der Paradigmenwechsel bei wissenschaftlichen Publikationen wurde durch das Internet ermöglicht. Studien zeigen, dass die Rezeption von Open-Access-Publikationen wie Biomed Central, Public Library of Science oder German Medical Science schon heute um ein Vielfaches höher ist als bei den traditionell kostenpflichtigen Veröffentlichungen. Einige Journale haben bereits begonnen, Artikel nach sechs Monaten unentgeltlich im Internet verfügbar zu machen. Oft sind es jedoch die Forscher selbst, die eine freie Veröffentlichung ablehnen bzw. die lukrativere Publikation in Fachzeitschriften vorziehen.

Schlechtes Timing: Kurz nach der Veröffentlichung der Pressemitteilung, wurde  ein Teil der Harvard- Homepage gehackt . Auf der schwedischen Datentausch-Plattform „Pirate Bay“ tauchte ein Download-Angebot mit dem Namen „Harvard’s hack“ auf. Eine 125 MB große, gezippte Datei steht dort zum Download über die Filesharing-Seite Bittorent bereit.