• 3. Mai 2014 15:05
  • Netzkultur, Sendung vom 03.05.2014
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Pseudonachrichtenportale

Virale Klickfänger bestimmen mit Emotionen das Netz


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Die guten alten Zeiten: Man stolperte zufällig im Netz über bemerkenswerte Fundstücke und schubste sie für seine Freunde ins soziale Netzwerk. Inzwischen wird das Schubsen solcher Nachrichten industrialisiert:

Vor noch einem Jahr wussten nur wenige Nutzer was mit dem Namen BuzzFeed anzufangen. Jetzt ist im Internet zu lesen: Eine neue Art von Medien übernimmt die Macht! Gemeint sind eben virale Nachrichtenaggregatoren wie Buzzfeed und Upworthy. Ihr Erfolg hat jede Menge Nachahmer auf den Plan gerufen. Diese Viral-Nachrichtenseiten beackern ein Segment im Nachrichtengeschäft, das nicht wirklich Neuigkeiten oder gar Informationen transportieren will, sondern eigentlich – die Zeit vertreiben. „BWN“ nennt das der Huffington Post- und Buzzfeed-Mitgründer Jonah Peretti: „Bored at Work Network“ – also Dienste für Leser, die gelangweilt vor dem Bildschirm ihre Arbeitszeit absitzen.

In Deutschland krempelt vor allem das mysteriöse heftig.co die Klickzahlen um. Heftig – das entspricht dem Qualitätsjournalismus der Regenbogenblätter. Dabei könnte sie glatt als Satireseite durchgehen, so grotesk ist der Inhalt oft. Aber anscheinend handelt es sich doch eher um eine Gelddruckmaschine: beliebiger Content, der ans Herz geht, zu netztauglichen Häppchen optimiert, die dann fix über Twitter, Facebook und Google+ gesharet werden und genau so fix neue Besucher generieren. Und das mit Erfolg: heftig.co wird im April Platz 1 im Like-Medien-Ranking erobern und damit Giganten wie Spiegel Online und Bild.de verdrängen. Laf Überland hat sich in diesen gewollten Strudel der Emotionen begeben.

Foto: „DA-LITE projection screen“ von Nesster, CC BY 2.0

Kommentare

    Danke, dass hier das Thema aufgegriffen wurde. Und danke für den Link.

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