• 17. November 2008 10:11
  • Off-Air, Sendung vom 22.11.2008

Prozessauftakt im Fall Anna Politkowskaja


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Zwei Jahre  nach dem Mord an der russischen Journalistin Anna Politkowskaja soll heute der Prozess gegen 4 Verdächtige beginnen.

Die Reporterin der russischen Zeitung „Nowaja Gaseta“ Anna Politkowskaja wurde am 7. Oktober 2006 im Flur ihres Wohnhauses in Moskau erschossen. Sowohl in Russland als auch im Ausland forderte man eine schnelle unabhängige Aufklärung des Verbrechens. Russische Menschenrechtler, Oppositionelle und die Kollegen von Politkowskaja sprachen von einem politisch motivierten Mord. Entgegen den Erwartungen wird der Prozess nun doch öffentlich stattfinden. Der Chefredakteur der „Nowaja Gaseta“, Dimitri Muratow  erklärte gegenüber Interfaks, „nur so hätte man die Hoffnung auf eine objektive Gerichtsverhandlung“.
Die Kollegen von Politkowskaja starteten eigene Ermittlungen. Im August 2007 wurden elf Verdächtige festgenommen, darunter mehrere Personen tschetschenischer Herkunft, sowie Mitarbeiter der Polizei und des russischen Geheimdienstes FSB. Auf der Anklagebank sitzen jetzt nur vier Personen. Den drei Tschetschenen Sergej Hadschikurbanow und den Brüdern Dschabrail und Ibrahim Mahmudow wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Dem FSB-Oberleutnant Pawel Rjagusow konnte – zumindest bis jetzt – keine Mitschuld nachgewiesen werden. Nach dem mutmaßlichen Mörder Rustam Mahmudow wird gefahndet, seine Auftraggeber sind unbekannt.
„Wir müssen sehr wachsam bleiben, da nur ein kleiner Kreis, der vermutlich in den Mord Verwickelten, auf der Anklagebank sitzt. Daher müssen die Ermittlungen weiter gehen bis der Mörder und die Auftraggeber zur Rechenschaft gezogen worden sind“, fordert Reporter ohne Grenzen.
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Foto: Reporter ohne Grenzen