Psychologie in Zeiten der Post-Privacy

Die Sendung vom 02.04.2011


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Privatsphäre im Netz ist ein flüchtiges Ding. Richtig anonym zu bleiben ist schwierig, und die Technologien, Individuen per Gesichtserkennung, Stilometrie oder Stimmanalyse zu identifizieren, werden immer ausgefeilter. Vielleicht beginnt schon bald die Zeit der totalen Transparenz, die ‚Post-Privacy‘-Ära. Wie würde sich dadurch unser Bewusstsein verändern? Dieser Frage gehen wir in der Sendung nach.

Könnte Post-Privacy ein Beginn echter individueller Freiheit sein, wie die Post-Privatisten argumentieren? Niemand muss sich mehr verstecken, wenn nichts mehr geheim bleibt, sagen sie. In der Post-Privacy ist jeder frei zu sein, wie er wirklich ist.

Für andere ist die Post-Privacy das Gegenteil, eine Einschränkung freien Ausdrucks und Verhaltens: Wenn alles potentiell öffentlich ist, fangen die Menschen an, sich mehr und mehr normkonform verhalten, sie zensieren und kontrollieren sich selbst. Doch bewahrt uns Privatsphäre wirklich vor Konformismus?

Wir sprechen mit dem Sozial- und Medienpsychologen Leonard Reinecke darüber, wie eine Welt, in der potentiell alles ans Licht leakt, uns und das Konzept der ‚Privatsphäre‘ verändert.

Der japanische Journalist Katz Ueno bloggt unter Klarnamen. In seinen englischsprachigen Videos geht es derzeit vor allem um die Natur- und Atomkatastrophe in Japan. Wir haben ihn gefragt, wie wichtig Anonymität im Netz für die Japaner ist und wie er seine Rolle als unabhängiger Blogger im Rahmen der aktuellen Geschehnisse sieht.

Außerdem geht es unter anderem um Google+1, die neue „Mag ich“-Funktion für die Google-Suche, und amazons Musikwolke. An den Mikrophonen sind Christine Watty und Martin Risel.