• 17. April 2009 08:04
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Piraten geht es an den Kragen


Die Internetgemeinde blickt heute nach Schweden. Dort stehen selbsternannte Piraten, Freibeuter gegen die proprietäre Musikindustrie, nein, gegen die Werte der Zivilisation im Allgemeinen und gegen das Urheberrecht im Speziellen vor Gericht und am heutigen Freitag wird das Urteil gegen sie gesprochen.

Die Betreiber der Webseite thepiratebay.org wurden angeklagt, weil sie den illegalen Download urheberrechtgeschützter Dateien, in diesem Fall Musik, Filme, Bücher und Software, unterstützt haben sollen.
Die Seite stellt nicht die Dateien selbst zur Verfügung, sondern nur ein Netzwerk von Anbietern und Nachfragenden, vergleichbar mit einer Auskunft: wer hat was auf seinem Rechner? Der Download dieser Dateien ist illegal, aber ist es auch rechtswidrig, Dateinhaber und Suchende zusammenzubringen? Das muss das Gericht in Schweden klären und wird heute sein Ergebnis verkünden.
Der Kampf der „Piraten“ gegen die Musik- und Softwareindustrie klingt wie der Kampf David gegen Goliath, Robin Hood gegen den englischen Adel und den Sheriff von Nottingham oder schlicht wie gut gegen böse. Aber wer sind die Piraten?
Vier Angeklagte stehen heute vor Gericht: Fredrik Neij (30), Gottfrid Svartholm (24), Peter Sunde (30) und Carl Lundström (48). Letzterer gilt als Finanzier von The Pirate Bay. Lundström ist Medienunternehmer in Schweden und soll, so berichten verschiedene Medien, eine rechtsradikale Vergangenheit haben. Er selbst sagt, mit der rechten Szene habe er seit Jahren nichts mehr zu tun. Die anderen drei Angeklagten sind die Gründer und Administratoren von The Pirate Bay. Sie lehnen das Prinzip des Urheberrechts ab.
Vor dem Prozess verhönten die vier ihre Gegner, unter ihnen das Filmstudio Dreamworks, das unter anderem von Steven Spielberg gegründet wurde, der Videospielehersteller Sega, das Musiklabel Aigle Music und der Comicbuchverlag Rabbit Valley. In e-mails an ihre Gegner schrieben sie, „es ist unsere Meinung und die von unseren Anwälten, dass ihr Idioten seid“, wie der Stern berichtet. Ob sie diese Selbstsicherheit auch vor Gericht beweisen, bleibt abzuwarten. Im Falle eines Schuldspruchs drohen den „Piraten“ bis zu 2 Jahren Gefängnis und eine Strafe in Höhe von bis zu 110 000 Euro. Die Industrie fordert zu dem eine Entschädigung in Millionenhöhe.
Bild: Ein Aprilscherz von der Pirate Bay Internetseite.
Nachtrag:
Mit Haftstrafen endete heute der Prozess um die Beihilfe zur Urheberrechtsverletzung vor dem schwedischen Gericht. Die vier Angeklagten Gründer von The Pirate Bay müssen jeweils ein Jahr ins Gefängnis und Schadenersatz in Höhe von umgerechnet 2.7 Millionen Euro leisten. Bereits vor der Urteilsverkündung hatten sie für den Fall eines Schuldspruchs angekündigt Revision einzulegen. Unsere Kollegen vom Radiofeuilleton haben nach dem Urteilsspruch mit unserem Korrespondenten in Schweden, Alexander Budde, gesprochen.