• 9. Oktober 2010 14:10
  • Netzmusik, Sendung vom 09.10.2010

Argentinische Netlabels mit Schlüsselrolle

Die Netzmusik vom 09. Oktober 2010


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Während Netlabels hierzulande ein Luxus-Musik-Verbreitungs-Weg sind, spielten sie in Argentinien eine Schlüssel-Rolle in der Entwicklung einer ganzen Musik-Szene. Minimal-Techno und andere elektronische Musik hat sich in Argentinien erst durch Netlabels entwickelt. Vivian Pekovic spielt heute Stücke aus der Netlabel-Szene des diesjährigen Buchmessen-Gastlandes.

1) Cabeza
Für das Netlabel Cabeza haben sich vor zwei Jahren zwei Herren aus Buenos Aires zusammengefunden, um das am wenigsten profitable Projekt der Welt zu gründen. Das Netlabel Cabeza veröffentlicht, so steht es auf der Homepage, Vorort-Musik. Was damit genau gemeint ist – hm. Aber zu hören ist auf jeden Fall Cumbia Digital, Elektro und eine Reihe lustiger Remixe. Und auch der luftige Track „Portobello“ von Sandro Dalepedro.
Cabeza-Homepage
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2) Igloo Records
Eines der ersten Netlabels Argentiniens ist Igloo Records. Das so heißt, weil es das kleine Haus des DJs und Produzenten Dilo ist, worin er machen kann, was er will. Und weil ein Iglu kalt und gleichzeitig warm ist, wie die Musik von Igloo Records. Der Kontrast hat Dilo gefallen. Mittlerweile fährt Igloo Rec zweigleisig: freie Downloads für die artsy und experimentellere Musik – der Rest wird über Beatport verkauft. Dadurch dass die Produzenten und DJs Netlabels gegründet und sich so vernetzt haben, konnte sich die Elektro- und Minimal-Szene nach der Wirtschafts-Krise erst entwickeln. Für Vinyl-Platten war damals nämlich kein Geld da, weder Käufern noch Labels konnten sich Kauf oder Herstellung leisten. Die Künstler aus Buenos Aires hatten sowieso nur ein Presswerk, erzählte uns der Gründer des Netlabels Igloo Records. Aber Netlabels waren nicht nur der Weg, die eigenen Sachen raus-, sondern internationale Musik nach Argentinien und seine Clubs reinzubringen.
Denn bestellte Platten von europäischen oder deutschen Labels wie Kompakt kommen in Buenos Aires zu wenig und viel zu spät an. Und sind doppelt so teuer wie hier. Und auf Partys in Buenos Aires wird das alles dann aufgelegt. Oder in Berlin, wo der Gründer von Igloo Records fast die Hälfte des Jahres auflegt und lebt. Deswegen sind bei igloo Rec auch deutsche Künstler und deutsche Titel vertreten.
Stücke:
Seph Espectros feat. Dilo
Osa feat. Imi – Treffen sich Elephant Pixel und Mini-Röcke
Homepage und Download

3) ZZK Records
Zizek Records ist tatsächlich benannt nach dem slowenischen Philosophen, der mit einer Argentinierin verheiratet ist und immer wieder in Buenos Aires weilt. Und Cumbia ist eigentlich die kolumbianische Volksmusik, die von Sklaven aus Afrika entwickelt wurde, die sich aber dann über Latein-Amerika ausbreitete. „Cumbia Digital“ wiederum haben in Argentinien die drei Gründer von Zizek-Records auf die Welt gebracht, indem sie Künstlern auf ihrer Zizek-Party-Reihe eine Plattform für ihre Experimente gaben. Da lief dann Cumbia, gemischt mit Hip Hop, Reggaeton und allen anderen möglichen Arten elektronischer Musik. Einer der Ghetto-Volksmusiken, die von DJs weltweit aufgegriffen werden.

Stücke:
Estereo – Fuego Frikstailers Remix
Major Lazer – Frikstailers Remix
vom Frikstailers – ZZK Mixtape Vol. 10
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Grafik: Plattencover-Montage der Labels Cabeza, Igloo Records, ZZK Records