• 10. September 2016 13:09
  • Netzmusik, Sendung vom 10.09.2016

Tourende Stubenhocker und Krachquatsch

Die Netzmusik vom 10.09.2016


Wir beginnen mit dem fröhlichen „Motions“ der fünfköpfigen Band Stoop Kids aus New Orleans. Der Bandname ließe sich vielleicht am ehesten mit Stubenhocker übersetzen, im Gegenteil aber tourt die Band seit drei Jahren quer durch die USA und spielt ein Konzert nach dem anderen.

Es folgt der Dresdener Produzent Lyvo, den wir schon mehrmals in der Sendung hatten und der offenbar die ersten Schritte zur Professionalisierung geht. So hat er kürzlich die Musik für das Indiegame Inversus geschrieben und ist grundsätzlich immer für einen funktionierenden Tanztrack gut, diesmal heißt er „your love“.

Noch in Ausbildung für eine musikalische Karriere steht der Österreicher Dotronix, der in Sachen Drum’n’Bass unterwegs ist und für ein Projekt an einer privaten Schule für multimediale Berufe mit „Hypnotized“ (Gesang: Lena Holly, coproduziert von Berni Pasteka alias Finch) eine entsprechende Arbeitsprobe abgegeben hat.

Vom Einfrauprojekt Girl in Space fanden wir lediglich eine EP mit 4 Demosongs. Gerade beim vorgestellten „Eyelash“ ist der vorläufige Charakter und das Skizzenhafte deutlich herauszuhören, er gefällt uns aber gerade wegen dieser Unfertigkeit.

Wer sich nach dem Farbstoff der Galle nennt, der bei Gelbsucht für eine entsprechende Färbung sorgt, muss schon einen speziellen Humor haben. Und so ist es bei Bili Rubin. Der ist schätzungsweise Anfang 20, hat aber wohl schon zu Kinderzeiten das Punk-Prinzip „Einfach machen“ verinnerlicht. Jedenfalls finden sich auf seiner Bandcampseite zig Veröffentlichungen, größtenteils verspielter Krachquatsch, darunter auch Frühwerke aus Vor-Stimmbruchzeiten. Jetzt ist ihm „aus Versehen“ ein Singersongwriter-Album unterlaufen (dabei hatte er vor eine Stoner-Rockplatte zu machen). Das Ergebnis, z. B. das vorgestellte „Love“, ist zwar immer noch nicht glattgebügelter Harmoniegesang und bleibt ausreichend schrammelig und schräg, ist aber eben gerade deshalb auch interessant.

Auch nicht unkrachig sind Crystal Desert, ein Trio aus Seattle, die deutlich Referenzen zu Wave-Bands der Frühachtziger herstellen und einen etwas exaltierten Gesangsstil kultivieren, von ihnen kommt zum Schluss „Nightmare“.

Playlist:

Zusammengestellt von Roland Graffé.

Foto: „Hana on the Couch“ von Kazuko Oguma, CC BY 2.0