• 13. Juni 2015 13:06
  • Netzmusik, Sendung vom 13.06.2015

Seifenkistengespräche, Twitteraufstände, Retrocharme

Die Netzmusik vom 13. Juni 2016


Unser Netzmusik-DJ Roland Graffé hat diese Woche tief in die Gefühlsmusik-Kiste gegriffen:

Als Katy Kirby tritt Kathryn Ellison aus Austin, Texas auf, von der wir nicht viel mehr erfahren konnten, als dass sie laut Selbstauskunft gerne mit Fremden spricht und Bilder aus Zeitschriften ausschneidet. Aber auch offensichtlich schöne Liebeslieder zu schreiben versteht und betörend zu singen vermag, leicht festzustellen beim vorgestellten Stück „Every time“.

Wenn Jasmine Deja aus Florida ihr Musikprojekt Soapbox Soliloquy, also „Seifenkisten-Selbstgespräch“ nennt, dann passt das irgendwie auch zu ihrem Song „Murder Mountain“, der sich musikalisch und aufnahmetechnisch an psychedelischem Rock der 1960er Jahre anlehnt, klingt doch tatsächlich der Gesang dumpf, als wäre er aus einer Waschmittelpackung gesungen.

Einen gewissen Retrocharme verbreitet auch „Moon“ der vierköpfigen Band Ego aus Sydney. Es handelt sich dabei aber um ganz junge Leute – die behaupten, erst mal für zwei Jahre fleißig in ihren Privaträumen geprobt zu haben, bevor sie sich mit dieser Single erstmalig in die Öffentlichkeit wagten.

Vielleicht erinnert sich noch jemand dunkel daran, dass es 2011 in London Straßenunruhen gab, an denen sich vor allem sozial benachteiligte Jugendliche beteiligten. Wie das so ist, wurden dabei auch soziale Medien genutzt, um sich zu organisieren. Die Londoner Band Louis Lingg and the Bombs besang diesen Umstand mit dem Punksong „Twitter Riots“ bereits vor zwei Jahren und hat jetzt nochmal eine Akustikversion nachgelegt. Diese etwas weichgespültere Variante könnte eventuell auch ein ironischer Kommentar sein – denn die angeblich revolutionäre Kraft von Twitter & Co. ist ja ein längst aus der Mode gekommenes Thema.

Ganz entspannt wird’s bei myk. (nur echt mit dem Punkt). Dahinter verbirgt sich Michael Hodgson aus Leeds, dessen Instrumental „Where are you now“ schön easy daherkommt und sich zum Beispiel als Soundtrack eignet fürs am Strand und in der Sonne liegen.

Zum Schluss dann noch Musik aus Kanada: Drainpuppet aus Ontario kommt seiner Freundin „Courtney“ gewidmeten Track um die Ecke, der etwas verspielt irgendwo zwischen Dubstep und Synthpop anzusiedeln ist.

Playlist:

Foto: „Fitness Fatima“ von Chris Isherwood, CC BY-SA 2.0