• 11. November 2008 10:11
  • Off-Air, Sendung vom 15.11.2008

Nach der Schlacht ist vor der Schlacht


Die Blogs gegen Obama haben sich neu formiert. Schon wenige Tage nach dem Wahlsieg des neuen Welthoffnungsträgers haben die Gegner – meist aus dem konservativen Lager -, die Geschütze im Netz neu in Stellung gebracht. Im Social Network Facebook formierte sich eine Gruppe, die die Amtsenthebung des designierten amerikanischen Präsidenten fordert, noch bevor dieser sein Amt überhaupt offiziell angetreten hat: „Impeach Barack Hussein Obama“. Die Bewegung wachse schnell. Das schreibt der konservative Blogger Andrew Breitbart auf seinem Internet News Portal breitbart.com. Die Seite erreicht nach eigenen Angaben pro Monat über vier Millionen Amerikaner. Besänftigen ließen sich die Obama-Gegner auch nicht durch die Pläne der neuen Administration, das weltweit verhasste Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba demnächst schließen zu lassen.
Im Online-Magazin „Salon“ fordert Blogger Glenn Greenwald dagegen mehr Geduld und Gelassenheit. „Es ist unmöglich, zu wissen, was Obama machen wird, bevor er es macht.“ Google sprang dem „schwarzen Messias“ ebenfalls schnell zur Seite und nahm einige Anti-Obama-Blogs vom Netz. Die betroffenen Blogger konnten sich nicht mehr einloggen. Einige seien von google per mail benachrichtigt worden. Als Grund für die Sperrung sei erklärt worden, dass es sich bei ihren Blogs um Spam handele. Hat Google auch ein geschäftliches Interesse daran, dass Obamas positives Image keinen Schaden nimmt? Erhofft man sich durch den zu erwartenden Politikwandel auch ein besseres Umfeld für die durch die globale Finanzkrise am Boden liegende Weltwirtschaft und somit mehr Werbeerlöse für den eigenen Laden? Inzwischen scheint sich aber herauszustellen, dass Google die Blogs gar nicht selbst gesperrt hat. Wahrscheinlich haben Obama-Fans die betroffenen Seiten mit Massenspamreports aus dem Netz gekickt. Google habe darauf nur reagiert, allerdings ohne zu prüfen, ob die Behauptungen tatsächlich stimmen. Johnnny Haeusler zeigt auf seinem Blog Spreeblick Verständnis für den Obama-Kult. Wer Obama jetzt schon als „falschen Messias“ bezeichne und es kaum erwarten könne, dass er endlich Fehler mache, der sei an Zynismus kaum zu übertreffen.

Foto: Guy Madison