• 9. November 2009 14:11
  • Netzökonomie, Off-Air, Sendung vom 14.11.2009

Nach dem Aus der Netzeitung – Die Krise erreicht das Netz


Das Aus der Netzeitung hat die Debatte um paid content im Internet neu angeheizt.
Nach fast zehn Jahren wird das Produkt aus dem Verlagshaus M. DuMont Schauberg aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. In Zukunft soll die Netzeitung als automatisiertes Nachrichtenportal weiter leben. „Ob das jedoch jemand braucht, neben Rivva und Google News, darf bezweifelt werden“, schreibt Andreas Griess auf carta.info. Auch im Netz hinterlässt die Wirtschaftskrise Spuren. Auch der online-Anzeigenmarkt leidet. Und weil es noch immer nicht gelungen ist, tragfähige Geschäftsmodelle für Qualitätsjournalismus im Netz zu finden, gelten hier wie dort die gleichen Mechanismen. DuMont Schauberg konnte sich nicht dazu durchringen, dieses journalistische Produkt, das sich mit selbst recherchierten Beiträgen ein eigenes Profil erarbeitet hatte, weiter leisten zu wollen. Die Netzeitung hat keinen profitablen Printauftritt im Rücken, der für den finanziellen Aufwand, den die Redaktion verursacht, gerade steht. Zwölf fest angestellten Mitarbeitern wurde gekündigt. „Zeitungssterben vs. Online-Medien-Tod. Wer stirbt schneller?!“, fragt Griess. Der Niedergang habe sich angedeutet, weil die die Netzeitung zuletzt nur noch etwa so viele User wie ein erfolgreicher Blog angelockt habe.
Aber auch die Blogossphäre leidet und zwar nicht nur unter der Werbekrise. Vielen Blogs „fehlt es auch an Reichweite, an Substanz und der richtigen Fokussierung“, glaubt Matthias Schwenk. „Nicht wenige kommerziell orientierte Blogs wirken im Herbst 2009 ebenso ausgezehrt wie die „Qualitäts“-Printmedien bzw. deren Online-Angebote.“ Es sei in Deutschland nur ganz wenigen kommerziellen Blog-Projekten gelungen, eine Reichweite zu erzielen, die für ein „leidliches finanzielles Auskommen“ nötig sei, meint Schwenk. Das mache sich in der Krise nun besonders schmerzlich deutlich.
Foto: CC/Birdie Holsclaw