• 26. März 2010 10:03
  • Netzmusik, Sendung vom 27.03.2010

Musik aus den Niederlanden, Australien und Beastie-boys-snap-mash-ups aus Barcelona


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Die Netzmusik heute mit einem DJ und Produzenten aus den Niederlanden. Crookram ist ein Mensch, der hinter seinen Beat-Produktionen verschwindet. Über ihn selbst erfährt man im Netz nicht viel. Aber drei seiner Alben kann man kostenlos beim Netlabel  Bankrupt Recordings runterladen. Die Musik zwischen Easy Listening und Hip Hop ist typisch holländisch: entspannte Beats, ein gesampletes klassisches Instrument und eine sanft-fröhliche Melodie. Damit ist der niederländische Produzent Nikolai schon erfolgreich in die USA ausgewandert und verbreitet dort entspannte Stimmung. Und Pete Philly und sein Partner Perquisite haben mindestens Europa erobert. Jetzt bringt auch Crookram das Holland-Hip-Hop-Erbe mit unter die Leute. „Through Windows“ heißt das neue Album von Crookram und jeder Track ist wie ein Blick durchs Fenster auf immer wechselnde Soundlandschaften, denn Crookram findet seine Samples, also die Musik-Schnipsel, aus denen er seine Stücke zusammenmischt, im Repertoire des Western-Soundtrack-Komponisten Badalamenti, in der mazedonischen Folklore, in psychedelischem 70-er-Funk oder im Soul. Gutes Ausgangsmaterial, elegant vefremdet.
Außerdem gibt es heute Musik aus Australien. Emily in love heißt die Band, die nach den Regeln der Creative Commons lebt: alles teilen. Diese Band ist für ihre zweite EP abgekehrt von absolut elektronischem Klang und benutzt viel mehr akkustische Instrumente, Gitarre klar, aber auch eins, das viel näher liegt: das Erst-Akkustik-Instrument für Kleinkinder – das Glockenspiel. Das lag im australischen Studio rum und Emily, die der Kopf der Band, aber nicht die Sängerin ist, begann es zu spielen und hat bis zum Ende der Album-Aufnahmen nicht damit aufgehört. Inhaltlich geht es bei Emily in Love immer noch um digitale Welten und ihre Auswirkungen, auf Fernbeziehungen zum Beispiel. Darüber hinaus ist die Band dem Creative Commons Ideal des Teilens verfallen, und das nicht nur, was ihre Musik betrifft, auch die Musik-Clips, die die Band zu ihren Videos macht, sind Allgemeingut, heißt in dem Fall hergestellt auch aus anderer Menschen Material.
Beastie-boys-snap-mash-ups – das ist, wenn Original-Gesangs- oder Instrument-Spuren mit anderen Beats oder Gesangs-Spuren zusammengebracht werden. Die Barcelona-Bewohner von Neblinasound haben sich nicht verschiedene miteinander kombinierbare Musiktitel ausgesucht, sondern für einen Titel, nämlich den Beastie-Boys-Hit „Intergalactic“, viele verschiedene Tanzpartner gesucht, von Soul über Reggae bis zu Euro-Disco, also Snap. Neblina Sound ist ein Kollektiv aus Barcelona, das eigentlich dem Reggae zugetan ist. Und der Reggae ist insofern die logische Grundlage für Mash-Ups, als dass diese Art von selbst- und fremdausgedachter Musik-Mischung im Reggae ihre Grundlage hat. Die Soundsystems benutzten Duplikate von Riddims, also Beat-Produktionen, hatten ihren eigenen MC oder Toaster, der über einen schon vorhandenen und bestenfalls erfolgreichen oder anderweitig besonderen Riddim seine eigenen Ideen textete. Beim Mash-Up liegt der Anteil der eigenen Ideen in der Kombinationsfantasie von bestehendem Beat und anderer ebenfalls schon existenter Gesangsspur. Dafür haben sich Neblina Sound gerade die Beastie Boys ausgesucht. Und wo sie schon dabei sind, mixen sie die Videos der benutzten Audios auch gleich mit. Anzusehen auf der Neblina Sound Homepage.
Die Netzmusik präsentiert Vivian Perkovic.