• 19. November 2016 14:11
  • Medien und Meinungen, Sendung vom 19.11.2016

Fake-News und eingeschränkte Freiheit im Netz

Die Meldungen der Woche vom 19. November 2016


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Von Vera Linß

Hatten Fake-News auf Facebook Einfluss auf den Ausgang der US-Wahl? Diese Frage steht im Raum, seitdem Donald Trump am 8. November ins Weiße Haus gewählt worden ist. Marc Zuckerberg nannte diese Vorstellung zwar eine „verrückte Idee“. Fakt ist aber, dass vor der Wahl die Fake-News auf Facebook öfter geteilt worden sind, als etwa Artikel etablierter Medienhäuser.

Das Online-Portal Buzzfeed hat für den Zeitraum ab Februar dieses Jahres die News analysiert und dafür nach eigenen Angaben die absolute Zahl an Shares, Likes und Kommentaren der zwanzig erfolgreichsten Fake-News mit denen der zwanzig erfolgreichsten Artikel etablierter Medien verglichen.

Von Februar bis April lagen die klassischen Medien noch klar vorn. Doch ab August hat sich das dann gedreht. Die zwanzig erfolgreichsten Fake-News wurden 8,7 Millionen mal in Facebook aufgegriffen, die erfolgreichsten echten News nur 7,3 Millionen mal. Hinzu kam: Die meisten Fake-News waren Trump-freundlich beziehungsweise Clinton-feindlich.

Die echten Meldungen drehten sich beispielsweise um Korruptionsvorwürfe gegen Trump und Clinton oder um ein Nacktfoto von Melania Trump. Bei den Fake-News ging es um die angebliche Werbung von Papst Franziskus für Trump oder um Waffenverkäufe an die Terrormiliz IS, die Hillary Clinton getätigt haben soll.

Interessantes Detail: Zu finden waren die Fake-News auf Webseiten, die teilweise erst seit sehr kurzem existierten und schnell Erfolg auf Facebook gehabt hätten. Mehr als einhundert Seiten sollen zum Beispiel von Mazedonien aus betrieben worden sein, in der Hoffnung auf die virale Verbreitung der Fake-News und die damit verbundenen Werbeeinnahmen.

Mit dieser Statistik ist auf jeden Fall schon mal eine Behauptung Zuckerbergs widerlegt, 99 Prozent von allem, was die Nutzer auf Facebook zu sehen bekämen, sei authentisch. Einen Schritt hat Facebook in dieser Woche nun getan, schreibt Zeit Online: Nämlich seine Richtlinien derart verändert, dass explizite Fake-News-Seiten von der Beteiligung an Werbeeinnahmen ausgeschlossen werden, also eine Geldquelle damit versiegen würde

Das Internet wird immer unfreier

Und zwar weltweit. Laut der Nichtregierungsorganisation „Freedom House“, die jedes Jahr ihren Netzreport veröffentlicht, gibt es einen Trend zur Einschränkung der Freiheit im Netz. Dem Report nach hat die Freiheit im Netz zum sechsten Mal in Folge abgenommen.

Zwei Drittel der Internetnutzer weltweit sind Zensur ausgesetzt, wenn es um Kritik an der Regierung oder dem Militär geht. Fast ein Drittel aller User leben in Ländern, wo Menschen für das Teilen von Inhalten verhaftet wurden. Besonders unter Beobachtung stehen zunehmend Messaging-Apps wie WhatsApp.

Ein Viertel der Weltbevölkerung lebt in Ländern mit einem freien Internet. Untersucht wurden 65 Länder. Zu den Top-Five der freien Länder zählt auch Deutschland, so die Organisation „Freedom House“.

EU-Terrorrichtlinie könnte die Internetfreiheit weiter einschränken

Befürchtet wird, dass es mehr Überwachung und Netzzensur in Europa geben könnte, schreibt netzpolitik.org. Die „Anti-Terrorismus- Richtlinie“, die nach den Anschlägen in Paris im letzten Jahr entstanden ist, soll demnach noch vor Weihnachten vom Europaparlament beschlossen werden.

Eine Kritik der Netzaktivisten: Terrorismus wird darin nur sehr vage definiert. Selbst Aktionen von Greenpeace könnten darunter fallen. Die Richtlinie führe außerdem zum Aufbau von Zensurinfrastrukturen und zur Anwendung von Zensur in den EU-Staaten, da Inhalte, die zu einer terroristischen Straftat aufrufen, zu löschen sind oder der Zugang zu diesen Inhalten blockieren werden kann. Netzpolitik.org ruft nun zum Protest dagegen auf.

Bild: Gesperrt von Alex Onkelix auf Flickr, CC BY