• 29. Oktober 2011 14:10
  • Medien und Meinungen, Sendung vom 29.10.2011

Nokia & Microsoft, FDP & Netzpolitik, John McCarthy und der Tod

Die Medien und Meinungen vom 29.10.2011


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Die Medien und Meinungen hat in dieser Woche Volker Tripp zusammengetragen.

1) Der Handyhersteller Nokia hat am vergangenen Mittwoch sein neues Smartphone-Modell Lumia 800 vorgestellt. Die Besonderheit daran laut Nokia-CEO Stephen Elop: Lumia ist das „erste echte Windows Smartphone“. Tatsächlich ist das Gerät mit dem Betriebssystem Windows Phone 7 von Microsoft ausgestattet. Windows-Smartphones gibt es zwar auch von anderen Herstellern wie zB HTC, LG oder Samsung, doch die bieten daneben auch solche für Googles Android Betriebssystem an. Nokia hingegen will seine Smartphones nun ausschließlich für das Windows Betriebssystem produzieren. Beide Unternehmen hoffen, mit dieser Kooperation Marktanteile gut machen zu können. Nokia hatte auf dem Handymarkt in den vergangenen zwei Jahren stetig Anteile verloren und Microsofts Betriebssystem konnte sich gegen die Konkurrenz von Googles Android und Apples iOS bisher nicht durchsetzen. Ein Grund für die Popularität der Systeme von Google und Apple ist die riesige Auswahl an häufig frei verfügbarer Software. Reggie Hutchinson, Leiter des „Developer Engagement Program“ bei Nokia betrachtet es daher auch als eine der wichtigsten Herausforderungen für Nokia und Microsoft, „mit Entwicklern in Kontakt zu kommen, um zu gewährleisten, dass sie die Plattform und ihre Möglichkeiten erkennen, und um insgesamt Innovationen voranzutreiben.“

2) Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat am gestrigen Freitag beim „OnlineMedienTreff“ der FDP Fraktion in Berlin eine Grundsatzrede gehalten und darin ihre Positionen und Vorhaben in Sachen Netzpolitik erläutert. Inhaltlich wirkte die Rede wie eine an Netzaktivisten gerichtete Charmeoffensive: anlasslose Vorratsdatenspeicherung, Netzsperren, Online Durchsuchung – all das sei mit ihr nicht zu machen, sagte sie. Außerdem kündigte sie einen Gesetzentwurf zur Eindämmung der gegenwärtigen Abmahnpraxis wegen Urheberrechtsverletzungen an. Abmahnungen, so sagt sie, hätten sich zu einem eigenständigen Geschäftsmodell entwickelt, was aber nicht der Zweck des Instruments Abmahnung sei. Sie wolle Abmahnungen daher engere rechtliche Grenzen setzen, zB. hinsichtlich des Streitwerts und der Wahl des Gerichtsstands. Bedenkt man die sehr viel restriktivere Haltung zur Netzpolitik, die beim Koalitionspartner der FDP vorherrscht, erscheint es mehr als fraglich, wieviel von den Vorhaben letztlich umsetzbar sein wird. Es drängt sich daher die Vermutung auf, dass es bei der Rede vor allem um eine deutliche Profilierung der FDP als Partei (auch) für digitale Bürgerrechte ging.

3) Der Informatiker John McCarthy, einer der Väter der Künstlichen Intelligenz, ist am vergangenen Sonntag im Alter von 84 Jahren verstorben. Nach dem Apple-Gründer Steve Jobs und dem Erfinder der Programmiersprache „C“, Dennis Ritchie, müssen wir mit John McCarthy nun innerhalb kurzer Zeit also von einem weiteren Pionier und Visionär der Computertechnologie Abschied nehmen. Ohne McCarthys Arbeiten und Ideen sähe die Welt heute vermutlich anders aus. 1956 begründete er den Wissenschaftszweig der KI. Seine Forschungen auf diesem Gebiet wurden zur Grundlage für zahlreiche interaktive Computerprogramme, zB den Chatbot Eliza oder den Sprachassistenten SIRI auf den neusten iPhones. Programmiersprachen wie zB Java wiederum beinhalten Techniken zur Speicherverwaltung, die McCarthy bereits 1959 entwickelte. Seine Konzepte hatten aber zumeist auch eine soziale Komponente. Bereits Anfang der 60er Jahre hielt McCarthy es für möglich, dass Rechenkapazität als Versorgungsdienstleistung ähnlich dem Telefon-, Gas- oder Stromnetz für jedermann verfügbar sein könnte. Damit prognostizierte er eine Technologie, die heute als „Cloud Computing“ bekannt ist und ohne die es Dienste wie Google oder Facebook nicht gäbe.

Bild: Uni Stanford