• 4. Mai 2013 13:05
  • Medien und Meinungen

Wie sie alle lustig sind, flink und froh sich regen!

Die Netznachrichten vom 04. Mai 2013


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Die „Medien und Meinungen“ hat diese Woche Kollege Marcus Richter zusammengetragen – es geht um die Grimme Online Awards, um Netzverzicht und um Marsflüge für jedermann.

Jedes Jahr werden mit dem Grimme Online Award besondere Webseiten und Projekte ausgezeichnet, für 2013 sind jetzt die Nominierten bekannt gegeben worden. Darunter ein paar bekannte Namen, wie zum Beispiel der Postillon, der durch seine Satirenachrichten immer wieder auf sich aufmerksam machte oder Richard Gutjahr, ein Journalist und Blogger, der viel Erfolg mit seinen Berichten über netzpolitische Themen hatte. Aber es gibt auch Sachen wie die App „Anne Frank im Land der Mangas“ oder eine „Faust 2.0“-Umsetzung, die einen Zusammenhang zwischen Goethes Werk und der Wirtschaftskrise aufzeigt.
Außerdem ist auch der Hashtag #aufschrei nominiert worden, also das Twitter-Schlagwort, unter dem Anfang des Jahres eine Diskussion über Geschlechtergerechtigkeit lief. Das Grimme-Institut hat Anne Wieczorek angefragt, die den Hashtag zum ersten Mal benutzt hat und die hat noch zwei Mitinitiatorinnen benannt. Aber tatsächlich soll hier nicht so sehr eine bestimmte Person, sondern ein Phänomen nominiert werden, erklärt Vera Lisakowski, die Projektleiterin des Grimme Online Awards:

„Der Hashtag wurde nominiert, weil er gezeigt hat, mit welcher Macht, sich das Medium Twitter auch wirken kann, das heisst, das Thema Alltagssexismus, ein durchaus gesellschaftlich relevantes Thema, ist zurückgewandert in die etablierten Medien und in die Politik und man hat erstmals für Deutschland bemerkt, welche Macht dieses Medium entwickeln kann.“

Das Grimme eine eher abstrakte Gemeinschaftsleistung nominiert ist übrigens so neu nicht: Auch Wikipedia und Guttenplag-Wiki waren schon dabei. Die Preisverleihung findet am 21. Juni statt.

Paul Miller vom Magazin „The Verge“ dachte eigentlich, dass er ohne Internet viel produktiver wäre. Er wollte aufzeigen, wie sehr uns das Internet ablenkt und wie wir ohne Netz zu besseren Menschen werden können. Rausgekommen ist dieses Zitat: „I’m Paul Miller and I just spent the year without internet. Can you tell? Er war halt einfach ein Jahr nicht im Netz und hat dabei zwar interessante Sachen erlebt – aber das waren vor allem persönliche Erfahrungen. Seinen langen Artikel und das Video ist dennoch bemerkenswert.

Im Gegensatz zu vielen anderen Selbstversuchbeschreibungen gibt er sich erfrischend unprätentios und zeigt, dass viele Sachen – egal ob positiv oder negativ – die wir dem Netz oder einer diffusen Virtualität zuschreiben, eigentlich nur Reflektionen unserer Persönlichkeit sind.

Zum Mars fliegen, ohne ein Astronaut zu sein – das ist ein etwas seltsames Projekt der niederländischen Fernsehfirma Mars One. Sie will 2023 vier Menschen zum Mars schicken – die dann dort bleiben müssen. Finanziert werden soll die ganze Mission durch eine Reality-TV-Casting-Show, bei der die vier Marsreisenden ausgewählt werden. Insgesamt sollen schon über 10.000 Bewerbungen eingegangen sein. Das hört sich wirklich sehr abenteuerlich an, scheint aber kein Fake zu sein. Die Umsetzbarkeit wird allerdings von Fachleuten aber stark angezweifelt. detektor.fm hat dazu ein interessantes Interview mit einem Missionsanalytiker der Europäischen Raumfahrtagentur. Womit sich der Kreis schließt, denn detektor.fm sind ebenfalls bei den Grimme Online Awards nominiert.

Bild: jvverde via photopin cc