• 23. Juli 2011 14:07
  • Medien und Meinungen, Sendung von 23.07.2011

Die Anschläge von Oslo im Netz

Die Medien und Meinungen vom 23.07.2011


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Das alles überschattende Ereignis in dieser Woche waren natürlich auch im Web die Anschläge in Norwegen, so dass wir uns heute auch ausschließlich damit beschäftigen. Jule Eikmann hat sich die  Berichterstattung im Netz angesehen.

Denn die war wie so häufig bei Anschlägen, einfach schneller. Was wir auch schon kennen: Dass sich die Medien als erstes auf das Facebook-Profil des Attentäters gestürzt haben, um mehr rauszubekommen über diesen jungen Mann und seine Beweggründe. Und für gewöhnlich hören wir dann: Wenn man genau hinschaut, hätte man das ahnen müssen. So auch dieses Mal. Sechs Tage vor dem Attentat versendet er in seiner ersten und einzigen Twitternachricht ein Zitat des Sozialphilosophen John Stuart Mills. Aus dem Englischen übersetzt heißt es da: Ein einzige Person mit einem Glauben hat die Macht von 100.000, die nur ein Interesse verfolgen.

Auffällig anders als bei vorherigen Attentätern: Offenbar hat Breivik seine Facebook- und Twitter-Profile extra zu dem Zweck angelegt, um sein Handeln und seine Botschaft zu dokumentieren. Das heißt, er zeichnet selbst das Bild, das er in den Medien sehen will, beschreibt sich als christlich-konservativer Waffennarr, der gerne World of Warcraft spielt usw. Eine neue Dimension der Selbstdarstellung, und er hat sein Ziel erreicht: Es sind seine Zitate und Bilder, die jetzt durch die Medien gereicht werden. Sein Facebook-Profil ist seit gestern Abend übrigens nicht mehr öffentlich zugänglich.

Wenn man nicht auf die Zeitung von Montag warten will, wo findet man jetzt gute Informationen zu den Attentaten im Netz?

Es gibt inzwischen etliche Linklisten, die ständig erweitert werden. Nutzern von Google+ steht da zum Beispiel eine wahre Fundgrube an Inhalten zur Verfügung. Einfach „Oslo“ in die Suche beim News-Aggregator „Sparks“ eingeben, und sofort erscheinen weltweit publizierte Artikel, Fotos und Videos aus Blogs, Youtube, traditionellen Medien, die man sich dann auch abonnieren kann. Praktisch: Man sieht gleich die Teaser und Videostills, hat direkten Zugang zu den Quellen. Allerdings werden User-Kommentare noch nicht mit gelistet und die Ergebnisse sind nicht chronologisch geordnet. Nach welchen Kriterien sie überhaupt gelistet wurden, hat sich uns nicht erschlossen, geschweige denn wie man die Trefferliste nach eigenen Kriterien, Aktualität etwa, selbst gestalten kann.

Übersichtlicher sind da die kuratierten Angebote. Auf storify.com gibt es bereits einige. Der Journalist und Blogger Joseph Stashko etwa schreibt gleich über seine Liste aus zusammengetragenen relevanten Links, Tweets und Videos, dass er die seiner Meinung nach wichtigsten gleich nach oben gezogen hat, und danach chronologisch arbeitet.Nachteil: Alleine arbeitende Journalisten müssen auch irgendwann mal schlafen gehen.

Wer auf keinen Fall was verpassen will, der hält sich am besten an Twitter. Oder stellt sich auf Google+ einen so genannten Circle von abonnierten Nutzernachrichten zusammen, die sich derzeit auf die Attentate in Oslo spezialisiert haben.Wie sinnvoll übrigens gerade auch bei Ereignissen wie diesem ein redaktionell betreuter oder auch kuratierter Journalismus ist, das beschreibt sehr schön der Journalist Michael Vosatka in einem Artikel im Standard mit dem Titel „Der Moslem war’s“: Schon vier Minuten nach der ersten Meldung zum Attentat hat ein Forums-Kommentator die Schuldigen identifiziert: Emigranten! Ein paar Minuten später war er dann sicher: „Das waren wieder Islamisten.“

Grafik: Wordle.net