• 9. April 2016 13:04
  • Medien und Meinungen, Sendung vom 09.04.2016

Strafen, Überwachung und Kinderzeichnungen

Die Meldungen der Woche vom 09.04.2016


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Die Meldungen der Woche weiß dieses Mal Vera Linß:

Über die EU-Richtlinie zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen, die Trade Secret Directive, wird in der kommenden Woche im EU-Parlament abgestimmt. Dabei geht es darum, dass vertrauliches Know-How und vertrauliche Geschäftsinformationen vor einer Offenlegung geschützt werden sollen, um unfaire Praktiken im Wettbewerb zu unterbinden. Der Haken: Diese Richtlinie zielt nicht nur auf Wirtschaftskriminelle, betroffen sind auch Menschen, die geheime Informationen an die Öffentlichkeit bringen, um Unregelmäßigkeiten – Betrug, Korruption – aufzudecken, also Journalisten und Whistleblower. Denen drohen nun Strafen, wenn sie Informationen offen legen, die als Geschäftsgeheimnisse gelten. Journalistenverbände und Netzaktivisten betrachten die neue Richtlinie deshalb als ein Instrumentarium, mit dem Whistleblower und Journalisten eingeschüchtert werden können.

Nach Rückschritt klingt auch eine weitere Richtlinie, die ebenfalls in der kommenden Woche im EU-Parlament verabschiedet werden soll: die Vorratsdatenspeicherung von Passagierdaten. Dabei sollen bei allen Flügen aus der und in die EU von jedem Passagier bis zu 60 Einzeldaten für fünf Jahre gespeichert werden.
Volker Tripp von der Digitalen Gesellschaft kritisiert diese Pläne – das vollständige Interview mit ihm kann hier nachgehört werden:

 

Und unser Breitband-Meme der Woche heißt #janosch – wobei wir gern ein eigenes kreiert hätten, dass da hieße #nojanosch. Janoschs Kinderbuch „Oh wie schön ist Panama“ ist offenbar vielen zuallererst eingefallen, als sie von den Panama-Papers erfahren haben und so mussten seine Karikaturen auf Twitter für eine Vielzahl immer wieder recht abschätziger Kommentare über den Scoup herhalten. Dieses Phänomen steht als Sinnbild dafür, dass Leaking längst Pop geworden ist, wie es Sascha Lobo in seiner Kolumne schrieb: „Die Inszenierung übertrumpft die Inhalte: Jeder liest darin, was er eh schon immer geglaubt hat.“

Foto: „D-ABOG (Janosch)“ von Gerard van der Schaaf, CC BY 2.0