• 30. Januar 2016 14:01
  • Medien und Meinungen, Sendung vom 30.01.2016
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Geheime Gutachten, Lügen und Prozessniederlage

Die Meldungen der Woche vom 30.01.2016


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Tim Wiese hat die wichtigsten Nachrichten der Woche für uns zusammengefasst:

Seit dieser Woche rufen die Aktivisten der Open Knowledge Foundation und von abgeordnetenwatch.de zu mehr Transparenz bezüglich Gutachten aus dem Bundestag auf: Das Portal „FragDenBundestag“ beschäftigt sich mit bisher unveröffentlichte Gutachten, die der wissenschaftliche Dienst des Parlaments für Abgeordnete erstellt hat und umfasst rund 4000 Analysen zu Fragen aus den letzten zehn Jahren. Unter anderem finden sich dort Gutachten über die Obergrenzen in der Flüchtlingsdiskussion, Gutachten über die Vorratsdatenspeicherung und Gutachten über die „rechtlichen Möglichkeiten, wenn der Nachbar nackt badet“. Grundsätzlich will das neue Portal die sehr fundierten Experten-Analysen der Allgemeinheit zugänglich machen. Deshalb kann jeder auf „FragDenBundestag“ eine Datenbank mit den Themen durchsuchen und die Zusendung der Ausarbeitung beantragen. Wozu sich die Informationen aus den Gutachten noch nutzen lassen, das erklärt Projekt-Betreuer Arne Semsrott im ausführlichen Interview – hier nachzuhören (Länge: 9:15 min.):

 

Kursierende Lügen sind grundsätzlich ein großes Problem im Netz. Aktuelle Beispiele: Ein angeblicher Todesfall eines Flüchtlings am Berliner LaGeSo, den es nie gegeben hat. Sowie die Propagandaschlacht um eine vermeintliche Vergewaltigung einer 13Jährigen. Wie kommt es, dass sich solche Falschmeldungen verselbständigen und wie kann man dem begegnen? Darüber wurde in dieser Woche auf einer Veranstaltung des Grimme-Instituts in Berlin diskutiert. Der Medienpsychologe Frank Schwab rät zur Stärkung der Medienkompetenz, die bereits mit der eigenen selektiven Wahrnehmung beginne: Die Menschen suchten meist eher nach Bestätigung und wehrten Dinge ab, die ihre Weltsicht nicht stützten und damit ihren Selbstwert gefährdeten. Medien müssten sich daher der Sisyphusarbeit der Aufklärung stellen.

Die Gema musste diese Woche eine Niederlage vor dem Oberlandesgericht in München einstecken: Der Musikrechteverwerter hat den Schadensersatzprozess gegen YouTube verloren. YouTube muss für Musikvideos nun nichts an die Gema zahlen. Die Plattform lädt die Filmchen schließlich nicht selber hoch, sondern stellt nur das Werkzeug dafür zur Verfügung. Eigentlich wollte die Gema 0,375 Cent pro Abruf bestimmter Musikvideos haben, um sie an Komponisten, Texter und Musikverlage zu verteilen. Jetzt bleibt ihr nur die Hoffnung, dass der Bundesgerichtshof als nächste Instanz den Streit um die Urheberrechte anderes entscheidet.

Foto: „Danbo visits Fushimi Inari“ von Takeshi Hososhima, CC BY-Sa 2.0

 

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