• 11. März 2009 16:03
  • Sendung vom 14.03.2009, Sendungsüberblick

Memetracker sorgen für Durchblick, Tim O´Reilly sieht virtuelle Schafe und Herr Tex lacht


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Wer behält im Dickicht der Nachrichtenquellen im Netz den Durchblick? Wer bringt Chaos und Unübersichtlichkeit in eine überschaubare Ordnung?  Traditionell war das die Aufgabe einer Redaktion. Es gibt jedoch auch noch computergenerierte Lösungen, die zunehmend beliebter werden. Populärstes Beispiel ist Google News, eine der meist verwendeten Nachrichtenzusammenfassungen im Netz. In Deutschland werden dazu rund 700 Nachrichtenseiten durchsucht. Die Ergebnisse werden dann nach Themenfeldern sortiert und nach Bedeutung gewichtet. Aber auch Sparten-News  wie z.B. „Techmeme“ aus den USA stehen längst auf der gleichen Stufe wie redaktionelle Newsportale.
So genannte „Memetracker“ versuchen, darzustellen, welche Artikel derzeit gerade besonders intensiv im Internet verbreitet  werden. Sie aktualisieren sich automatisch  und zeichnen so ein Bild der Entwicklungen von Informationen und Meinungen im Netz.
Verlage haben sich lange Zeit dagegen gewehrt, da mit ihren Inhalten woanders Geld verdient wird. Einige denken jedoch um und versuchen nun auf das Modell aufzuspringen, da sie dadurch speziell gefilterte Nachrichten anbieten können. Und das ohne viel Personalaufwand. Wir haben dazu in der vergangenen Sendung schon mit Focus-Online Chef Jochen Wegener gesprochen.
In der aktuellen Sendung fragen wir, wie eigentlich diese maschinell generierten Nachrichten funktionieren. Wie viel Zukunftspotential steckt dahinter? Welche Fehler können auftreten? Im vergangenen September verlor die Aktie von United Airlines wegen einer sechs Jahre alten Nachricht, die durchs Netz geisterte, drei Viertel ihres Werts. Der Text über die Insolvenz des Unternehmens gelangte durch einen Fehler automatisch auf die Webseite Google News.
Außerdem im Programm: Janko Roettgers mit einem Bericht von der Emerging-Technology-Konferenz des O’Reilly-Verlags in San José, CA. Die Konferenz galt lange als Testgelände für die Zukunftstechnologien des Web 2.0. Doch die Wirtschaftskrise hinterlässt auch hier ihre Spuren. „Wir haben die schlimmste soziale Ungleichheit seit dem Ende des 19. Jahrhunderts“, so Verleger Tim O’Reilly, „und was machen unsere klügsten Köpfe? Sie schmeißen auf Facebook mit virtuellen Schafen um sich.“
„Die Technologiebranche lebt in einer Scheinwelt“, beschwerte sich der Verlagsgründer im kalifornischen San José. Man habe zu lange die Augen vor den wahren Problemen der Welt verschlossen und sich stattdessen auf Geschäftsmodelle konzentriert, die auf Werbung für Dinge basierten, die niemand brauche.
Und Christine Watty portraitiert tvnoir.de. Das ist eine Wochenschau für, von und mit Singern, Sängern und Songwritern. Wie „Herr Tex“, der die Idee dazu hatte und die Shows moderiert. In einem Kreuzberger Café wird bei der Liveshow jeden ersten Sonntag ein Gast vorgestellt.

Foto: Algorithm City/blue.scar/CC