• 26. Februar 2010 17:02
  • Medienwandel, Sendung vom 27.02.2010, Topic

Maschinen machen Medien


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Roboter sind die Zukunft der Medien – eine These, die nicht abwegig ist. Bei „Content Farms“ jedenfalls bestimmen Algorithmen darüber, was der User zu lesen bekommt. Die Themen werden aus den Suchanfragen im Netz generiert: Je höher etwas in den Trefferlisten platziert ist, desto größer seine Relevanz aus Sicht von „Demand Media“. Themen, die eine hohe Klickrate versprechen, werden automatisch ausgeschrieben und dann von einem der rund 10.000 Autoren, die für die Plattform tätig sind, bearbeitet. Business as usual, nannte das Demand Media-Gründer Shawn Colo unlängst in München. „Effectively we do what a lot of traditional Media Companies do: We create content, we distribute it and we monetize it“, so Colo. 

Doch das trifft es nicht ganz: Einiges läuft schon anders, als bei klassischen Medien. Nicht nur, dass die Themen nicht von Menschen gefiltert, sondern von Maschinen quasi errechnet werden. Bislang unerreicht sind auch die Konditionen, für die Demand Media-Autoren arbeiten: Auch die Honorare werden von den Maschinen bestimmt und richten sich nach den vermuteten Werbeeinnahmen, die ein Beitrag erzielen könnte. 

Nichtsdestotrotz: Das Geschäft boomt. 5000 Content-Pieces – wie es heißt – werden täglich produziert. Die Plattform gilt als größter Video-Lieferant für youtube, expandiert und macht Umsatz: Rund 200 Millionen Dollar im vergangenen Jahr – so die Schätzungen. Auch mediale Traditionalisten sind inzwischen auf den Geschmack gekommen: Der Verband amerikanischer Magazinverleger will Kooperationen mit Demand Media ausloten. Auch erste Testläufe für Zusammenarbeiten gibt es.
Was bedeuten „Content Farms“ für den klassischen Journalismus? Ergänzung oder Alternativmodell? Darüber reden wir mit FAZ-Netzökonom Holger Schmidt.

Foto: flickr.com, CC von Elias Schwerdtfeger