• 16. Juni 2009 16:06
  • Off-Air, Sendung vom 20.06.2009

Lesen digital – auf dem „All-in-One-Gerät“


Der Börsenverein des deutschen Buchhandels zeigt sich optimistisch über die Zukunft des Buches und zufrieden mit den eigenen Aktivitäten. Die Volltextdatenbank libreka, präsentiert im Herbst 2007 (Breitband berichtete) und seit 12. März dieses Jahres auch als Kaufportal für E-Books nutzbar, sei ein Erfolg, erklärte Michael Vogelbacher heute auf der Tagung „Buch Digitale“ in Berlin. Über 105.000 Bücher sind inzwischen bei libreka erfasst, 1200 Verlage und 500 Buchhändler beteiligen sich. Auf dem Portal können 20 % eines Buches kostenfrei gelesen werden, sozusagen als Hilfe für die Kaufentscheidung. Die E-Books werden in zwei Formaten angeboten: PDF und EPUB. Über das Nutzungsverhalten der Kundschaft liegen allerdings bislang noch keine Erkenntnisse vor. Perspektivisch sollen auch gedruckte Bücher über libreka erhältlich sein – so fließen Print und Digital zusammen.
Das Engagement scheint sich zu lohnen. In den USA jedenfalls wächst der E-Book-Markt viel versprechend, auch wenn er bislang gerade mal 0,5 % des gesamten US-amerikanischen Buchmarktes ausmacht. In Deutschland, so die Hoffnung der Branche, könnten E-Books in fünf Jahren rund 10 % des Buchmarktes ausmachen. Wichtig wäre, auf diesem Weg auch neue Zielgruppen zu erreichen, so Klaus Kurz, Manager bei Adobe Systems. Zwar stiegen in Deutschland die Verkaufszahlen für Bücher, allerdings würden insgesamt weniger Leute kaufen, das heißt, es gebe weniger Leser. Dem Durchbruch des E-Books steht allerdings noch die Technologie im Weg, meint Kurz. Ein großes Problem ist aus seiner Sicht die Heterogenität der elektronischen Lesegeräte.  „Es gibt E-Reader-Technologien, die auf das EPUB-Format setzen, ein offenes Format, das ich auf verschiedenen Geräten einsetzen kann. Andere Hersteller nutzen proprietäre Formate, die kann ich dann nicht auf andere Lesegeräte überführen. Das ist natürlich ein Problem. Auch die Abspielgeräte werden sich ändern. Wenn ich heute ein Buch kaufe, möchte ich das auch noch in zehn Jahren nutzen können. Und wenn ich fünfmal das Gerät wechsle und dann bei Formaten mit wechseln muss, habe ich irgendwann nur noch die Hälfte meiner Inhalte und das will ich nicht. Da propagieren wir ganz klar, auf einen Standard wie EPUB zu setzen“, erklärte Klaus Kurz.
Umstritten ist noch, über welches Gerät wir in Zukunft tatsächlich lesen werden. Wird es – dem Trend zum All-in-one-Gerät folgend – ein deutlich verbessertes und lesefreundlicheres Smartphone sein? Oder werden wir neben dem immer präsenten Handy noch ein Lesegerät mit uns herum führen? „Ich würde meine Stimme dafür abgeben, dass es ein einheitliches Gerät wird – ein Lesegerät, das immer mobil verbunden ist, das online Daten aktualisieren und mit dem man telefonieren kann“, so die Prognose von Adobe-Mann Kurz. Auch Michael Vogelbacher vom Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels stimmt ein: „Meine Prognose geht klar zu den Smartphones. Wir haben eine große Verbreitung dieser Handys. Und wenn jetzt UMTS immer mehr in den Fokus rückt, dass Datenflatrates angeboten werden, dann kann ich mir sehr gut vorstellen, dass man gleich die Inhalte auf sein Handy sich downloaden kann.“
VLinß