• 15. September 2008 11:09
  • Besprechung, Sendung vom 13.09.2008
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Kunstaktion „Product Placement“: „Ich kann Dinge anzünden mit Klängen. Von da geht´s aber weiter.“


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Auch im digitalen Zeitalter wollen und müssen Autoren – Journalisten, Filmemacher, Musiker – mit ihren Werken Geld verdienen. Dem steht die Praxis gegenüber, dass gerade im Internet mehr kopiert wird und die Inhalte auch wieder für eigene Werke verwendet werden. Das ist oft nicht rechtens. Wer zitiert, muss meistens den Urheber des Zitats um Erlaubnis fragen und für die Nutzung zahlen. Doch wie soll das – bei den Massen von Inhalten, die im Netz kursieren – praktisch funktionieren? Im Gesetz steht darauf keine Antwort.

Der Komponist Johannes Kreidler hat jetzt in seiner Kunstaktion „Product Placement“ auf die Spitze getrieben, was es bedeutet, sich in digitalen Zeiten gesetzestreu zu verhalten. Seine jüngste Komposition enthält so viele Zitate (70.200), dass man ein Transportmittel benötigt, um diese alle rechtmäßig anzumelden – in seinem Fall bei der GEMA, der Rechteverwalterin für Musikmacher. Am Freitag fuhr Kreidler bei der GEMA in Berlin vor. Unsere Autorin Vera Linß hat sich die Performance angesehen, für die Kreidler seit Wochen bereits bei youtube getrommelt hatte. Außerdem sprach sie mit dem Urheberrechtsexperten Ronald Schmidt über den Sinn von Kreidlers Aktion und fragte die GEMA, was sie denn nun mit den 70.200 Zitatanmeldungen machen will.

P.S. Bei der einen Aktion soll es nicht bleiben. Einmal auf den Geschmack gekommen, hat Kreidler schon die nächste Performance ins Auge gefasst. In einem halben Jahr nimmt er sich ein weiteres Problem der digitalen Welt vor, dass auch für die Arbeit von Journalisten von großer Relevanz ist: Die Frage der Geheimhaltung von sensiblen Daten. Kreidlers Thema der Performance dann: das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung. Sein Credo: „Ich kann Dinge anzünden erstmal mit Klängen. Und von da geht´s aber weiter.“

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