• 12. August 2008 12:08
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Krieg der Bilder


Russische Bomber fliegen Luftangriffe auf die georgische Stadt Gori. Abchasische Separatisten melden die Einnahme des umkämpften Kodori-Tals. Bei einem Angriff russischer Kampfjets kommt ein niederländischer Journalist ums Leben. Spiegel online zeigt Bilder menschenleerer Straßen. Russische Kampfjets nahmen Gori am Dienstag wieder unter Beschuss. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters berichtet als erster aus der Stadt, spricht von mehreren Einschlägen.
Der Krieg im Kaukasus ist auch wieder ein Krieg der Bilder. Im Minutentakt werden auf YouTube neue Videos über den blutigen Konflikt hochgelden. Die Glaubwürdigkeit und der Wahrheitsheitsgehalt der Videos sind aber oft nicht nachvollziehbar. Erst löste der „embedded journalist“ den unabhängigen Kriegsreporter ab. Nun hat der einfache Rekrut mit Handykamera das Kommando übernommen. Eine inszenierte, unkontrollierte Bilderflut, wie z.B. auch auf LiveLeak.com zu sehen, geistert durchs web. „Ihr Wahrheitsgehalt ist nicht überprüfbar“, sagt der Fernsehjournalist Ulrich Kienzle dem ksta.de. Am vertrauenswürdigsten seien da noch Fotos und Videos von Terroristen. „Es ist zynisch, aber man kann ihren Bildern am ehesten glauben, weil sie von den Terrorismusexperten im Westen gründlich untersucht werden.“
ARD und ZDF beklagten zuletzt, dass der Kaukasus-Krieg zu wenig quotenträchtig sei, weil es nur wenig gute Bilder gebe. Das schreibt die taz.
ARD-Chefredakteur Thomas Baumann sagt: „Wir waren am Freitag und vor allem am Samstag nahe dran, einen Brennpunkt zu senden.“ Dass man ihn doch nicht gesendet habe, „liegt daran, dass die Bildlage so war, dass wir keinen echten Mehrwert im Vergleich zur Tagesschau hätten erzielen können“, sagt Baumann. „Die besten Bilder müssen in die Tagesschau, da gibt es kein Abwägen“ – und man wolle den Zuschauern direkt im Anschluss an die Nachrichtensendung nicht noch einmal identische Bilder präsentieren.