• 10. Februar 2009 11:02
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„Kindle 2“ – Nächster Angriff auf den Buchladen


Optimisten glauben, dass E-Bookreader unsere Lesegewohnheiten und das Geschäft der Verlage revolutionieren werden: Künftig hat man all seine Bücher und Dokumente dabei. Vernetzte Freunde können via E-Reader sehen, was ich lese, Kommentare und Empfehlungen abgeben. Man rückt auch im Geiste noch enger zusammen. Sehr, sehr viel heiße Luft meinen Pessimisten.
Fakt ist, dass Amazon jetzt mit dem „Kindle 2“ auf dem Markt ist. Der Neue ist leichter und hat eine längere Akkulaufzeit als sein Vorgänger. Zunächst wird der Reader in den USA verkauft. Er kostet laut Amazon 359 Dollar.
Für den Download bedient sich der „Kindle 2“ des 3-G-Mobilfunknetzes von Sprint in den USA. Damit entfällt die Suche nach einem W-Lan-Hotspot oder einem PC, um ins Internet zu gehen. Die Technik wird „Amazon Whispernet“ genannt.
Der erweiterte Speicher fasst jetzt insgesamt 1500 Bücher, das alte Kindle musste bei 200 passen. Aktuell sind nach eigenen Angaben 230 000 Bücher elektronisch verfügbar. Dazu gibt es Magazine und Blogs im Abonnement. Der Durchschnittspreis beträgt 9,99 Dollar.
Neben Amazon ist Sony mit einem eigenen E-Book-Reader auf dem Weltmarkt vertreten. Dagegen hält vor allem der Google: Er macht bis zu 1,5 Mio. E-Bücher der „Google Book Search“ für Mobiltelefone wie das G1 („Google-Phone“) oder Apples iPhone verfügbar. Das Berliner Unternehmen txtr will im Sommer 2009 einen eigenen E-Bookreader auf den Markt bringen. Das Gerät nutzt die E-Ink-Technik für das Display und verfügt über verschiedene drahtlose Schnittstellen, über die Nutzer Texte laden oder austauschen können. Am 22. Januar wurde der Prototyp präsentiert, den man aber zur CeBit erst richtig ausprobieren kann.
Die amerikanische Verlagsindustrie setzt große Hoffnungen auf E-Bookreader jeder Art. Die Erwartung ist, dass das Preisniveau der E-Bücher konstant gehalten werden kann, jedoch in Zukunft die Druckkosten wegfallen. Das könnte die Rentabilität der Verlage dramatisch verbessern. Kritiker bemängeln den hohen Einstandspreis, der die Geräte für den Durchschnittsleser noch immer unattraktiv macht.
Die Wahrheit liegt wahrscheinlich – wie meistens – irgendwo in der Mitte.
Analysten wie Jeffrey Linsay von Bernstein & Co. bleiben skeptisch, was die Zukunft des Marktsegments angeht. Lindsay erwartet für das laufende Jahr bestenfalls einen Absatz von 750 000 Stück des „Kindle 2“: „Das bleibt weiter ein Nischenmarkt“, sagt er. Der erste elektronische Buchleser, das „Rocket e-book“, kam 1999 auf den Markt, konnte aber nie überzeugen und ging sang- und klanglos wieder unter.
 Foto: dekuwa/CC