• 21. Juli 2010 12:07
  • Medienwandel, Off-Air, Sendung vom 24.07.2010

Keine Pepsi für die Wissenschaft

ScienceBlogs-Community protestiert gegen Advertorial


Redaktionelle Inhalte und Werbung sollen unterscheidbar sein, das ist ein journalistischer Grundsatz. Doch immer wieder schleichen sich „Advertorials“ in vermeintlich unabhängige Publikationen ein: Als Journalismus verkleidete Werbung, zum Beispiel in Form von als Artikeln aufgearbeiteten Pressemitteilungen. Dass das auch bei Bloggern auf Kritik stößt, musste kürzlich die Blogplattform ScienceBlogs schmerzhaft feststellen. Nachdem ScienceBlogs ein von der Firma Pepsi gesponsertes Blog veröffentlichte, verließen wichtige Blogger die Plattform.

ScienceBlogs, 2006 gelauncht, ist nach eigenen Angaben die größte wissenschaftliche Online-Community. Erklärtes Ziel des Portals: Den globalen Austausch über Wissenschaft zu fördern, als „digitaler Wissenschafts-Salon“ mit Qualitätsanspruch:

„We have selected our 80+ bloggers based on their originality, insight, talent, and dedication and how we think they would contribute to the discussion at ScienceBlogs. Our role, as we see it, is to create and continue to improve this forum for discussion, and to ensure that the rich dialogue that takes place at ScienceBlogs resonates outside the blogosphere.“

Auch die Firma Pepsi möchte in und über diese Blogosphäre hinaus wahrgenommen werden. Anfang Juli stellten die Macher von ScienceBlogs das neue Blog vor: „Food Frontiers“, von Pepsi produziert und bezahlt.

Durch die Zusammenarbeit mit dem Konzern sahen manche Blogger auf ScienceBlogs ihre Glaubwürdigkeit beschädigt. Eine Debatte über „Pepsigate“ entbrannte, einige der Blogger nahmen ihre Blogs von der Plattform.

Vor wenigen Tagen verließ auch Bora Zivkovic, angesehener Blogger der Community und seit Anbeginn dabei, ScienceBlogs. In seiner ausführlichen Begründung schreibt er:

We have built an enormous reputation, and we need to keep guarding it every single day. Which is why the blurring of lines between us who are hired and paid to write (due to our own qualities and expertise which we earned), and those who are paying to have their material published here is deeply unethical.

Die Verletzung von Grundsätzen sieht Zivkovic vor allem darin, dass kein unabhängiger Journalist, sondern die Firma selbst, die Inhalte des gesponserten Blogs erstellen sollte.

Mittlerweile hat ScienceBlogs das Pepsi-Blog entfernt und sich bei der Community entschuldigt. Die Macher erklären, ihr Anliegen sei gewesen, den wissenschaftlichen Austausch mit der Industrie zu fördern.

Für Jeffrey Weiss, der den Fall für Politics Daily kommentiert, ist das Pepsi-Blog eines von vielen Experimenten im Feld der neuen Medien, von dem noch niemand richtig wisse, wie es funktioniere:

We’re all trying to figure it out as we go. Some of the old rules can’t work in the new media. But some of them still should apply. After all, one thing that wasn’t changed by the Internet is the real difference between journalism and just writing:
Credibility. We lose that, it doesn’t matter how fast the site loads.