• 17. März 2012 10:03
  • Netzmusik, Sendung vom 17.03.2012

Jazz im Alleingang

Rusconi kündigen Major-Label-Vertrag und binden sich ans Netz


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In der Netzmusik geht’s in dieser Breitband-Ausgabe um nicht weniger als eine Revolution: So heißt das neue Album von Rusconi. Im vergangenen Jahr hat Stefan Rusconi einen Jazz-Echo gewonnen, jetzt hat sich der Schweizer Pianist samt seiner nach ihm benannten Band von Sony Music verabschiedet. Weil sie ihr neues Album selbst vertreiben wollen – mit einem dazugehörigen Netz-Manifest und modernen Jazztrio-Sounds.

Die Musiker nehmen die digitale Revolution mit ihren Folgen für die Musikverbreitung ernst und bieten ihr neues Album zum Gratisdownload im Netz an, gern auch gegen eine Spende oder als Vinyl-Platte zum Bezahlen. Weil das aus rechtlichen Gründen mit ihrem bisherigen Major-Label nicht möglich war, haben sich Rusconi von Sony getrennt und mit Qilin Records selbst eine eigene Plattenfirma gegründet. So liegt nun auch mit dem Editieren, Mischen, Produzieren ihrer Werke und der künstlerischen Gestaltung alles in eigenen Händen. Im Jazzbereich sind die Schweizer dabei noch echte Pioniere.

Ein in intensiven Band-Diskussionen entstandenes ‚Manifest‘ begleitet die neue Veröffentlichung: Denn für ihre nun gratis verteilte Musik fordern sie im Gegenzug auch von ihren Fans „Engagement: Mit Spenden, mit einem Konzertbesuch, mit dem Eintragen in unseren Newsletter, mit der Verbreitung unserer Musik“ – wie es in dem Manifest heißt.

Und das auch zurecht: Denn die Musik von Rusconi ist – im Vergleich zu vielem, was man für lau aus dem Netz saugen kann – hochwertiger moderner Trio-Jazz, wie er seit einigen Jahren durch Formationen wie das Esbjörn Svensson Trio oder Michael Wollnys ‚em’ zu neuem Glanz gekommen ist.

Rusconi gehen in ihrer Experimentierfreude zwischen Jazz, Noise und schönen Pop-Melodien sogar noch einen Schritt weiter. Nach ihren Echo-gekrönten Interpretationen von Sonic Youth-Songs haben sie das neue Album nicht nur mit Flügel, Drums und Kontrabass eingespielt, sondern auch Stimmen, Pfeifen, Instrumentenpräparationen, Kassettenrecorder und Rasseln verwendet, dazu zahlreiche elektronische Effekte.

Pianist und Hauptkomponist Stefan Rusconi lebt abwechselnd in Zürich und Berlin – und wird als Studiogast live in die Sendung kommen. Martin Risel spricht mit ihm über den weitgehenden Schritt der Band, über ihren bisherigen Erfolg damit, über CC vs. GEMA bzw. deren Schweizer Pendant SUISA, über die möglichen Aussichten von Rusconi bei Streaming-Diensten wie dem gerade in Deutschland gestarteten internationalen Marktführer Spotify und wie man sonst als Musiker heute Geld verdienen kann. Zum Beispiel bei Konzerten: Ab 22. März sind Rusconi dann auch auf Deutschland-Tournee mit Konzerten in 6 deutschen Städten live zu erleben.

Netzmusik-Playlist vom 17.03.2012:

Rusconi – Massage the history again, part1 (Edit)
Brain-Wash – Kony murder
Rusconi – Berlin Blues
Rusconi – Theresa’s sound-world (Live)
Rusconi – „Tempelhof“
The Plastic Jazz Orchestra – Roulette

Musikalisch bleiben wir die ganze Sendung über im Jazz. Auch bei einem der zahlreichen Tracks rund um das Filmprojekt Kony, die in den vergangenen Tagen auf Musikplattformen wie Soundcloud hochgeladen wurden: Und zwar von Brain-wash, einem arabisch-stämmigen Musiker aus Italien. Außerdem: Die Empfehlung eines Breitband-Hörers. Die Sendung schließt mit dem Tipp von Tommy Neuwirth: The Plastic Jazz Orchestra. Vielen Dank dafür!

Foto: Screenshot http://rusconi-music.com