• 27. November 2007 15:11
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Internetsucht, digitale Städte und noch mehr Pornographie


Vorab zum aktuellen Stand der Verpflegungssituation. Nach diversen Mintpastillen, Halsbonbons, Colakrachern und Co sorgte Redakteur Kolja Mensing in dieser Woche für eine süße Überraschung – türkische Schokokekse (Ülker, sehr empfehlenswert).

Zu Beginn ging es dann, wie jede Woche, um die zurückliegende Sendung. Pornographie im Netz war ja das TOPIC. In der Sendungskritik wurde schnell klar: Spannendes Thema, gute Umsertzung, aber Pornographie im Netz ist ein massives Thema, das – natürlich – mit einem einzigen Schwerpunkt von zehn Minuten in einem Magazin nicht hinreichend erschlossen werden konnte. Wir werden also auch demnächst immer wieder Gänge und Stollen in diesen massiven Themenblock treiben. Wie verändert die omnipräsente Pornographie im Netz den Körperbegriff? Oder hat ein transformierender Körperbegriff der Pornographie im Netz erst zu ihrem Erfolg verholfen? Ist Porno nach Jahrzehnten des Vagabundierens vom Groschenroman, über das Bahnhofskino bis zur VHS nun in „seinem“ Medieum angekommen (dem Netz mit seiner Flüchtigkeit)? Ist Pornographie immer Mainstream? Und wie kommt dieser Mainstream zustande? 

TOPIC der kommenden Sendung ist ein ähnlich komplexer Brocken. Es wird um das symbiotische Verhältnis von Leistungssport und Massenmedien gehen. Warum ist der ständig verdächtige Sport (Bestechung, Doping etc.) als Unterhaltungsware so erfolgreich?
Organisationen wie die DFL (Deutsche Fussball Liga; verhökerte zuletzt die Bundesligarechte unter dubiosen Bedingungen an den wiederauferstandenen Leo Kirch), die UEFA (Europäische-Fussball-Union), die FIFA (Welt-Fussball-Verband mit dem Sonnenkönig Joseph Blatter an der Spitze) oder das IOC (Internationales Olympisches Komitee) nehmen für sich das Recht in Anspruch, Übertragungslizenzen ihrer Veranstaltungen meistbietend verkaufen zu dürfen. Mit dem Sport als Ware werden auf diese Weise jährlich Millionen, in der Summe sogar Milliarden umgesetzt. Sponsoren, Funktionäre, TV-Anstalten, absurde Sportlergehälter – eine gewaltige (Unterhaltungs-)Industrie kreist um Sportplätze, Rennstrecken und Laufbahnen. Und wir schauen alle begeistert zu, erleben Sommermärchen, Boxkrimis und Jahrhundertspiele. 
Aber was bedeutet diese Form des Informationshandels, der Informationsverknappung für Medien und Journalisten? Wie unabhängig können (Sport-)Journalisten noch sein, wenn ihre Sendeanstalten für viele dreistellige Millionenbeträge Übertragungsrechte erwerben? Welche Rolle spielt der Sport dabei im Informations- und Fiktionsumfeld eines TV-Programms? Und welche Rolle spielt der medial vermittelt, rekordorientierte Sport eigentlich für den Zuschauer? Was fasziniert uns an den hochgespritzten Radrennfahrern bei ihrem Kampf am Berg? Was an blutigen Boxkämpfen? Und was an Ein-Mann-Autos, die grotesk schnell im Kreis rasen?

Neben  den vielen Aspekten des aktuellen TOPICS tauchten während der Redaktionskonfefenz auch bereits nächste Themen auf. Wieviel Sucht steckt eigentlich im Medienkonsum und wieviel in den ziellosen Streifzügen durch das Netz? Sind nach kiffen, saufen und fixen, jetzt googlen, surfen und zappen die neuen Verben der Sucht? Oder reichen diese zeitfressenden Phänomene noch nicht ins Pathologische?
Und was unterschiedet die Stadtkonzepte im Reallife des 21. Jahrhunderts von den digitalen Städten in Welten wie Second Life? Was ist hier eigentlich Vorbild, was Abbild? Dazu noch die Postpläne einer bundesweiten Gratiszeitung und ihrer Bedeutung für den Lokaljournalismus. Das alles könnten BREITBAND-Themen in den nächsten Wochen sein.

Zum Schluß gab es dann noch eine kurze Debatte über das BREITBAND-Redaktions-TV. In der nächste Woche machen wir also ernst. Ein Redaktionsvideo wird dann als Download angeboten (das hoffen wir jedenfalls, als Radiomenschen ist uns die Produktion  von bewegten Bildern ja etwas fremd…)

Protokoll: Markus Heidmeier
Foto: Gary Scott