Internet in Kuba

Martin Polansky übers Down- und Uploaden auf der Karibik-Insel


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Vor einem Laden der staatlichen Telefongesellschaft in Havanna lange Schlangen. Die wenigsten hier haben einen Telefonanschluss zu Hause, dafür sind Handys nun umso beliebter. Drei von vier Kubanern haben inzwischen eins. Aber das Internet ist für viele Kubaner nach wie vor eine fremde, unbekannte Welt. Luis ist nur ganz selten mal drin:

„Es gibt keinen freien Zugang. Ich müsste schon in ein Hotel gehen, um ins Internet zu kommen. Auch bei meiner Arbeit sind wir nicht verbunden mit dem Netz. Denn wir brauchen es dort einfach nicht.“

Nach aktuellen Zahlen der kubanischen Statistik-Behörde hat nur jeder sechste Bürger der Insel Zugang zu einem digitalen Netz. Und die meisten von ihnen kommen auch nur in das kubanische Intranet – eine äußerst eingeschränkte Version des Netzes. Dort findet sich dann etwa eine kubanische Variante von Wikipedia, in der die Welt linientreu-sozialistisch erklärt wird.

Fast niemand in Kuba hat einen Privatanschluss zu Hause – meist weil es gar keine Leitungen gibt oder der Anschluss unbezahlbar wäre. Die Staatsführung setzt auf kollektive Anschlüsse – etwa am Arbeitsplatz oder an der Uni. Adrian ist 23, er studiert Ingenieurswesen – und kommt darüber ins richtige weltweite Netz:

„Wir haben an der Uni einen Anschluss. Das ist auch absolut notwendig. Denn für mein Studium muss ich immer wieder technische Dinge recherchieren. Das geht nur im Internet. Einige Seiten sind bei uns gesperrt. Genaues weiß ich da nicht. Aber so kommt man zum Beispiel auf keine pornographischen Seiten. Das ist ja auch eine ethische Frage.“

Rolando tippt auf seinem Computer zu Hause. Er vermietet Zimmer an Touristen, eine beliebte Einnahmequelle vieler Kubaner. Dafür hat er auch eine eigene Webseite – ganz offiziell anmeldet und mit dem Kürzel Punkt cu – für Kuba.
Allerdings: Von Zuhause aus kommt er gar nicht rauf auf seine Seite, weil auch er keinen Anschluss hat. Aber unter seinen Dokumenten auf dem PC hat er das gespeichert, was zu sehen ist im Netz:

„Ich habe Fotos auf der Seite. Da können die Touristen dann die Zimmer sehen. Denn viele wollen das ja, bevor sie buchen. Außerdem habe ich Bilder mit meiner Familien und auch die Fotos einiger Leute, die schon hier waren.“

Die Buchungen wickelt Rolando ebenfalls über das Internet ab. Jedesmal eine kleine Odyssee:

„Ich gehe regelmäßig mit einem USB-Stick in ein Hotel, um mich ins Internet einzuloggen. Dort lade ich dann die Emails mit den Reservierungen auf den Stick und gehe wieder nach Hause. Hier lese ich dann die Mails, beantworte sie und gehe dann wieder mit dem USB-Stick ins Hotel, um die Antworten zu versenden. Das Ganze ist furchtbar teuer. Eine Stunde Internet kostet umgerechnet fünf bis sechs Dollar.“

Widrigkeiten, mit denen auch kubanische Oppositionelle zu kämpfen haben. Trotz des beschränkten Zugangs versuchen sie das Internet zu nutzen- als Gegenöffentlichkeit in einem Land, dessen Medien klar auf Regierungslinie sind.

Yoani Sanchez ist die international bekannteste Bloggerin von der Insel. Seit 2007 beschreibt sie den kubanischen Alltag auf ihrer Seite generacion Y – zu deutsch: Generation Y. Ein Blog auf Umwegen:

„Hier in Kuba konnte ich natürlich keine Domäne für meine kritischen Einträge bekommen. Ich hätte lieber eine Adresse mit Punkt cu statt Punkt com. Aber das ist unmöglich. Also habe ich eine Adresse im Ausland und der Server steht auch dort. Aber im Prinzip verwalte ich alles von Kuba aus.“

Aber auch das offizielle Kuba legt wert auf seinen Internet-Auftritt. Die Parteizeitung Granma lässt sich selbstverständlich per Mausklick aufrufen und auf der Kulturseite Jiribilla kann man kubanische Musik oder auch Reden von Che Guevara herunterladen.

Jiribilla nutzt auch Twitter und Facebook, um positive Nachrichten über das Land in die Welt zu senden. Kampf um die Meinungshoheit im weltweiten Netz. Die kubanischen Sicherheitsbehörden stellen sich offenbar darauf. Im Internet kursiert ein Video, das angeblich eine offizielle Schulung zeigt:

„Wir können uns den Begriff Blogger zueigen machen. Sie haben ihre Blogger und wir unsere. Und wir werden sehen, wer stärker ist. Das gleiche gilt auch für Twitter mit seinen Kurznachrichten – ein klassisches Kampfnetz. Sie führen ihren Kampf und wir unseren.“

Von dem bekommen die allermeisten Kubaner allerdings gar nichts mit. Oppositionsbloggerin Yoani Sanchez hat sich zwar weltweit einen Namen gemacht und wurde schon mit renommierten Preisen etwa in Spanien ausgezeichnet. Aber viele Kubaner dürften sie gar kennen, geschweige denn ihre Seite jemals angeklickt haben.

Das Internet für viele eine unbekannte Welt – auch mit dem neuen Glasfaserkabel aus Venezuela dürfte sich das nicht ändern. Das Netz wird zwar zukünftig schneller. Aber ein deutlicher Ausbau privater Anschlüsse ist nicht geplant.
Zimmervermieter Rolando wird mit seinem USB-Stick weiter ins Hotel gehen müssen, um seine Emails zu verschicken.

Bild: „Cyber cafe. Melia Las Dunas, Cayo Santa Maria, Cuba. Feb-March 2008.“ von Derek Blackadder auf Flickr, CC-by-SA