• 23. Juli 2011 14:07
  • Besprechung, Digitale Kultur, Medienwandel, Sendung von 23.07.2011

We have joy, we have fun, we have messed up Murdoch’s Sun.

Hacker und Popkultur


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Im Abhörskandal bei der mittlerweile eingestellten britischen Boulevardzeitung „News of the World“ gibt es immer neue Wendungen: Erst wurde die Zeitung in Rekordzeit dichtgemacht und der Besitzer Rupert Murdoch vor einen Untersuchungsausschuss geladen. Dann gab es Rücktritte bei den Ermittlungsbehören: hohe Mitarbeiter von Scotland Yard sollen angeblich Zuwendungen vom Murdoch-Konzern erhalten haben – und warum hat sich eigentlich Großbritaniens Premier David Cameron überdurschnittlich oft mit den Murdoch-Managern getroffen? Insgesamt also eine recht wilde Woche sowohl für den Medienmogul Rupert Murdoch als auch für den angelsächsischen Mediensumpf. Was passiert ist und ob Murdochs Imperium den Skandal überhaupt überleben wird, das hat Florian Meyer für Breitband zusammengetragen.

Doch zu allem Überfluss wurde Murdoch auch noch für tot erklärt – vermeintlich vom eigenen, überaus boulevardesken Boulevardblatt „The Sun“. Dahinter steckten aber die Hacktivisten der Gruppe „LulzSec“, die sich der Zeitungswebsite zwischenzeitlich „angenommen“ hatten. Den Hack der Website beschrieben Lulzsec auf Twitter so: “We have joy, we have fun, we have messed up Murdoch’s sun“.

Das bezieht sich natürlich auf den Song “Seasons in the sun”, mit dem unter anderem Terry Jack 1974 einen Riesen-Hit hatte. Aber weil Hacken offenbar nicht mehr einfach nur Hacken ist, sondern auch „Mainstream-Unterhaltungs-Qualitäten“ entwickelt hat, zitieren und verweisen Gruppen wie Lulzsec, nicht mehr nur auf Dinge, die nur Technik-Spezialisten verstehen können, sondern belustigen auch den Mainstream.

Auch die „Anonymous“ – Aktivisten bedienen sich in der Populärkultur. Deren „Guy Fawkes Maske“ hat zwar eine historische Vorlage, bekannt wurde sich aber erst doch ein Comic und eine Kinoverfilmung – wo der Protagonist teilweise für ganz andere Werte steht als heute Anonymous.

Über Popsymbolik und Hackerkultur sprachen wir im Anschluss mit Dirk von Gehlen, Redaktionsleiter von jetzt.de – seine Meinung: Der Angriff auf die Webseiten von Rupert Murdoch zeigt eine neue Dimension der Protest-Kultur im Internet.