• 24. November 2012 14:11
  • Netzmusik, Sendung vom 24.11.2012

Grappa, Frisbee, Supafeed!

Die Netzmusik vom 24.11.2012


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Für den Sound der dieswöchigen Sendung hat Netzmusik-Kurator Volker Tripp zwei Netlabels ausgewählt, die beide tanzbare, samplelastige elektronische Musik veröffentlichen. Viel mehr Gemeinsamkeiten haben sie jedoch nicht, denn in Sachen Philosophie, Ästhetik und Vorgehensweise unterscheiden sie sich recht deutlich voneinander.

Unkonventionell und wild geht es beim 2010 in Connecticut und Minnesota  gegründeten Label Grappa Frisbee Records zu. Dort konzentriert man sich auf Hip-Hop und Electronica aus der Abstract, Wonky und Lo-Fi Ecke – durchaus hörbare Musik, deren Sound aber immer knapp neben dem Mainstream liegt und Raum für Experimente lässt. Auf stolze 56 Album- und EP- Veröffentlichungen hat es das Label in den gut 2 1/2 Jahren seines Bestehens bereits gebracht. Die gibt es allesamt zum frei wählbaren Preis bei Bandcamp – man kann Künstler und Label also finanziell unterstützen, oder das Ganze gratis herunterladen. Daneben findet man auf dem labeleigenen WordPress-Blog auch noch einige abstrakte Grafiken zum Gratisdownload sowie handgemachte Tapes zum Kauf.

Supafeed aus Nordrhein-Westfalen hingegen geben sich eher chic und minimalistisch. Seit Mitte 2006 erscheinen dort unter der Regie der drei DJs und Produzenten Frank Herbrechter, Meikel Klein und Carsten Sasiak in größeren Abständen Alben und Labelcompilations, die die gesamte Spannbreite des House-Genres abdecken, und die vor allem durch ihr hohes Produktionsniveau bestechen. “Klein, aber fein”, scheint dort das Motto zu sein. Denn anders als der Labelname vielleicht vermuten lässt, gibt es dort nicht etwa einen permanenten, überquellenden Strom neuer Musik – die sechsjährige Labelgeschichte bringt es gerade mal auf 14 Veröffentlichungen. Die gibt es dafür allesamt direkt vom Supafeed-eigenen Server zum Gratisdownload unter Creative Commons Lizenz, eine Bezahloption fehlt.

PLAYLIST
01 – Malefique – „Hiiiiii!“
Instrumental Hip-Hop Projekt aus Moskau. Der Track stammt von dem im Februar 2012 bei Grappa Frisbee erschienenen Album “Flashlights (Part 2)”.

02 – Brian King James – „Fresh“
Der aus Jamaika stammende und in den USA aufgewachsene Rapper Brian James wurde 1986 geboren, ist heute also 26 Jahre alt. Bereits im zarten Alter von 11 Jahren hat er mit dem Sprechgesang begonnen, und seit seinem 13. Lebensjahr auch Aufnahmen mit verschiedenen Formationen gemacht. 2012 hat er auf Grappa Frisbee sein erstes Solo-Mixtape mit dem Titel “The Freshness Vol. 1” veröffentlicht, auf dem auch dieses Stück zu finden ist.

03 – Kinnel – „Best I Ever Had“
Ein-Mann-Projekt des Moskauers Vova Nosow. Erschienen 2012 auf dem Album “Fuse” bei Grappa Frisbee.

04 – DaYz & KnItE – „My Brother’s Know“
Einflüsse aus Disco, Funk und Electro vereinen die beiden Essener Produzenten René Dayz und Nick Knite auf dem Titeltrack ihres Albums “My Brother’s Know”, erschienen 2012 bei dem auf House-Music spezialisierten Label Supafeed. Konsequenterweise finden sich auf dem Album neben weiteren Stücken auch noch zwei clubtaugliche House-Remixes des Titeltracks, die allerdings deutlich moderner klingen, und die das warme, nostalgische Oldschool-Flair des Originals vermissen lassen.

05 – Herb & Matt – „Work That Dance“
Herb LF (bürgerlich Frank Herbrechter aus Dortmund) mischt nicht nur bei einigen auf Supafeed erscheinenden Acts musikalisch mit, er ist zugleich auch einer der Betreiber des Labels. Für diesen Track, der 2010 auf dem ersten Supafeed Labelsampler mit dem Titel “Supakonfekt Vol. 1” erschienen ist, hat er sich mit dem DJ und Produzenten Matt Flores aus Düsseldorf zusammengetan. Beide Künstler sind seit vielen Jahren in der House-, UK Garage- und Drum’n’Bass Szene aktiv. Zusammen waren sie beispielsweise Teil des “Gush Collective”, einer Gruppe von acht deutschen Produzenten, die den um die Jahrtausendwende vor allem in England populären 2Step-Stil – eine verspielte und weniger aggressive Variante von Drum’n’Bass – nach Deutschland holten und einige veritable Clubhits herausbrachten.

06 – Samuel Tegaro – „Live Games (Phat & Slow)“

 

Grafik: Grappa Frisbee Records