• 19. März 2009 15:03
  • Sendung vom 21.03.2009, Sendungsüberblick

Google: „Informationen sind unser Geschäft.“


Googles erklärtes Unternehmensziel ist bekanntlich, „alle Infos dieser Welt“ online zugänglich und durchsuchbar zu machen. Ein weiterer Teilbereich ist hinzugekommen – das Material von Nachrichtenagenturen.
Google wird zukünftig epa-Inhalte auf Google News bereitstellen. Grundlage ist ein  Vertrag mit der european pressphoto agency (epa), der den Usern von Google News  Originaltexte und Fotos aus acht von elf zur epa gehörenden Nachrichtenagenturen zugänglich macht.
Bislang durchsuchte der Newscrawler relevante Nachrichtenseiten, die in diversen Artikeln mehr oder wenige aufbereitete Agenturmeldungen enthielten. Mit dem neuen Deal kann Google direkt auf den Originalartikel verlinken, der sich auf einer von Google gehosteten Seite befindet.
Dahinter steckt das langfristige Ziel von Google, verstärkt auf eigene Inhalte zu verweisen. Es geht also um die alte Frage: Wem gehört der Klick? Der User wird  nicht mehr auf die Seiten der Verlage geführt, sondern bleibt auf Seiten, die zu Google gehören: z.B. Google Maps, Youtube, Börseninformationen oder aktuelle Nachrichten. Die Verlage wären dann von der digitalen Wertschöpfungskette ausgeschlossen.
Für Googles Positionierung als Anbieter von Inhalten sprechen auch andere Projekte: Seit November 2008 kann Google legal die Buchbestände der größten US-amerikanischen Bibliotheken nach ihrer digitalen Erschließung in sein Angebot von „Google Books“  integrieren. Nach einer Zahlung von 125 Millionen US-Dollar beendete Google im November 2008 den mehrjährigen Rechtsstreit mit den Verbänden Authors Guild und der Association of American Publishers (AAP).  
Der Vergleich von Google bezieht sich zwar nur auf Onlinerechte in den USA, durch Google-Partnerprogramme können diese Nutzungsrechte aber jederzeit in Europa aktiviert werden. Das Recht für Google zur digitalen Nutzung umfaßt Downloads, Print-on-Demand-Publikationen bis zu E-Books. Nur bei noch lieferbaren Büchern ist Google an eine vorhergehende Rechtseinräumung gebunden.
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) und der Verband deutscher Schriftsteller (VS) wollen gegen eine vermeintlich ungenehmigte Digitalisierung ihrer Bücher durch den Suchmaschinenbetreiber in den USA vorgehen und erstellen derzeit Rechtsgutachten. Unter den circa 7 Millionen Büchern, die von dem Vergleich erfasst werden, sind auch zehntausende deutschsprachige Buchtitel, schätzt der Börsenverein.
Grafik: cc/