• 7. Januar 2009 11:01
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Glaubensfragen


Die Welt teilt sich in zwei Lager: nicht arm und reich, Nord oder Süd, Ost oder West, Kapitalismus oder Kommunismus sind die Demarkationslinien, sondern viel subtilere Fragen scheiden die Geister. Es sind Fragen wie Coke oder Pepsi, McDonald’s oder Burger King, PC oder Mac. Während es sich in den ersten beiden Fällen um subjektiv begründbare Entscheidungen handelt, ist es im letzteren Fall eher irgendwie eine vage Frage des Lebensgefühls: main stream oder counterculture, schicke Eleganz oder vielseitige Funktionalität, Einheitlichkeit oder Diversität. Der Apfelkult hat religiöse Züge, doch es ist kein höheres Wesen, was hier verehrt wird, sondern eine Marke. Faszinierend.
Für Hindus gehört es dazu, einmal im Leben an den Ganges nach Varanasi zu pilgern, für Moslems ist es Mekka, gläubige Christen streben an, einmal im Leben auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela zu pilgern, für Trekkies sind es die cons, die Science Fiction Conventions und für die „Maccies“ ist es die jährlich in San Francisco stattfindende Messe Macworld. Apfel-Fans kommen aus der ganzen Welt, legen tausende von Flugmeilen zurück, um einmal dabei sein zu können. Es sind Anwälte, Ärzte, Medienmacher, Designer, Studenten und Menschen aus allen Lebensbereichen, die sich nicht weiter kennen und die auch sonst wenig bis gar nichts gemeinsam haben. Die Atmosphäre erinnert an den Summer of Love oder die Love Parade. Tausende Menschen aus der ganzen Welt kommen zusammen und huldigen der Marke.
Mit Spannung wurde die Macworld 2009 erwartet, die gestern in San Francisco eröffnet wurde. Bereits im Vorfeld gab es zahlreiche Gerüchte, die zum Teil bestätigt wurden und sich zum Teil als falsch herausstellten, aber das gehört zum Hype der Mac-Religion.
Im Internet kursierten falsche Bilder von Produkten, die erwartet wurden: ein kleineres iPhone zum Beispiel, was von Fans schon mal „iPhone nano“ in Anlehnung an den iPod nano, der kleiner als der iPod ist, genannt wurde. Oder auch ein „iPhone shuffle“ (noch kleiner). Grund für die Spekulation sind Bilder von Schutzhüllen chinesischer Hersteller für neue Produkte, die aber bisher nicht auf dem Markt sind. Die Schutzhüllen geben die Form der neuen Produkte vor, nicht aber ihre Funktion. Und so wird in Foren spekuliert und diskutiert: vielleicht doch kein iPhone nano, wozu dann aber der Hörschlitz in der Hülle? In der Eröffnungsrede, die erstmals seit 11 Jahren nicht Apple Gründungs-Guru Steve Jobs hielt, sondern Vizepräsident Phil Schiller, wurde jedoch kein neues iPhone vorgestellt. Enttäuschung bei den Fans.
Überhaupt war die mit Spannung erwartete Veranstaltung eine Enttäuschung. Apple hatte im Vorfeld der Messe bereits angekündigt, dass dies die letzte Macworld sei, bei der Apple dabei sei. In der Vergangenheit hatte der Konzern die Messe stets genutzt, um medienwirksam spektakuläre, neue Produkte vorzustellen. Doch das blieb in diesem Jahr aus. Die „aufregendste“ Neuigkeit aus dem Hause Apple war das im Vorfeld bereits erwartete neue Preismodell für den itunes Store, über den Apple Musik zum legalen Download anbietet. In Kombination zum neuen Preismodell werden die dort angebotenen Musikdateien zukünftig nicht mehr kopiergeschützt-, sondern beliebig oft kopierbar sein. Die einzige andere Neuigkeit, die wohl aber niemanden vom Hocker reißen dürfte, ist ein neues MacBook – ein High-End Laptop im 17″ Format.
Die Tatsache, dass Apple bei der diesjährigen Macworld zum letzten Mal dabei ist, dort ohne Steve Jobs vertreten ist und zudem auch noch wenig Neues präsentierte, scheint zu bestätigen, dass Apple zukünftig neue Produkte im Rahmen der Apple Stores als eigenes Event vorstellen will.
Die Börse, die bekanntlich für religiöse Rührseeligkeiten unempfänglich ist, nahm es gelassen: Apple Aktien – mehr oder weniger unverändert.