• 4. März 2009 16:03
  • Off-Air, Sendung vom 07.03.2009

Geldverdienen im Internet, oder: Warum das Netz nur kostenfrei funktioniert


Das Internet dem freien Markt überlassen oder nach öffentlich-rechtlichem Vorbild fördern? Fürs Netz sollte man auch „gesellschaftliche Solidarmodelle“ schaffen, sagte uns der Soziologe Volker Grassmuck. Und Markus Beckedahl schlägt eine öffentlich-rechtliche Förderung digitaler communities vor. Sollte man also die Prinzipien des Offline-Markts auf den Online-Markt übertragen? Die Diskussion geht natürlich weiter.
Eine Schlüsselfrage lautet: Welche Konsequenzen hat die netzspezifische „Kostenlos-Mentalität“? Ist sie veränderbar? Verhindert sie das Geldverdienen im Internet? Kein Problem, scheinen die jüngsten Zahlen zur Online-Werbung auszudrücken. Die entwickeln sich hoffnungsvoll. Reklame im Internet wird 2009 erstmals soviel Umsatz erwirtschaften wie die krisengeschüttelten Publikumszeitschriften, prognostiziert der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). Das Online-Werbevolumen wird demnach 2009 um 10 Prozent auf 4 Mrd. Euro brutto wachsen – eine, wie es beim Verband heißt, „sehr konservative und vorsichtige Prognose“.
Nichtsdestotrotz verbinden einige Verlage größte Hoffnungen mit Paid Content, wie etwa der britische Medienkonzern Pearson. Dessen „Financial Times“ und ihre Ableger steigerten ihren Umsatz 2008 um sieben Prozent auf 796 Mio. Pfund. 67 Prozent der „Financial Times“-Umsätze kommen mittlerweile aus dem Digitalgeschäft. Der Erfolg geht zu großen Teilen auf Premium-Accounts für die Website FT.com zurück.
Auch der US-Verlag Hearst setzt auf Bezahlinhalte. Er macht Schluss mit der Kostenlos-Mentalität im Web und will Internetnutzer wieder stärker zur Kasse zu bitten, nachdem auch das Online-Anzeigengeschäft eingebrochen ist. Ein Teil der noch kostenlos abrufbaren Artikel soll künftig nur noch gegen Bezahlung verfügbar sein, kündigte Konzernchef Steven Swartz in einem internen Mitarbeiterschreiben an. Die Kostenstruktur weiche erheblich vom Umsatzpotential ab, schreibt Swartz. Hearst ist sich zwar bewusst, dass Bezahl-Barrieren weniger Klicks bedeuten und damit weniger Werbeeinnahmen – daher soll es auch weiter eine Menge freie Inhalte geben. Swartz will dennoch Leser wie im Print dazu bringen, für Abos auf allen Kanälen zu zahlen – egal ob im Web, auf dem iPhone, dem Kindle oder einem hauseigenen eReader, der bald erscheinen könnte. Auch die „New York Times“ erwägt seit kurzem die Rückkehr zu Bezahlinhalten. Und die amerikanischen TV-Networks wollen ihre Web-Inhalte zum Online-Pay-TV machen.
Hierzulande zeigt man sich dagegen zurückhaltender. Handelsblatt.com-Chefredakteur Sven Scheffler fände die Einführung eines Bezahl-Modells völlig kontraproduktiv. Auch Springer-Mann Christian Garrels hält es für wenig aussichtsreich, eine Umsonst-Kultur in eine Bezahl-Kultur zu verändern, schreibt das Medienportal „Meedia“ . Focus-Online-Chef Jochen Wegner wiederum ist anderer Meinung und erwägt gar eine Art kostenpflichtigen Premium-Account für seine User. Mit ihm reden wir in der nächsten Sendung und rufen nach Paroli auf unsere These: „Alle kostenpflichtigen Inhalte sind zum Scheitern verurteilt!“