• 21. August 2015 11:08
  • Breitband², Sendung vom 22.08.2015
  • 6 Kommentare

Geheimhalten oder Leaken?

Wie gehen wir heute mit Geheimnissen und deren Verrat um?


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Angenommen, ein Angestellter – beispielsweise einer Sicherheitsbehörde – steht vor der Frage, ob er geheime Dokumente weitergeben soll. Angenommen, einem Blogger werden diese Papiere zugespielt und er stellt sie ins Netz, obwohl er weiß, dass ihm deshalb rechtliche Konsequenzen drohen könnten. Angenommen, ein Richter soll beurteilen, welche Relevanz die Papiere und deren Veröffentlichung für die Sicherheit des Landes haben…

Dass Annahmen wie diese nicht nur Phantasiestücke, sondern real sind, beweist die jüngste Anzeige wegen Geheimnisverrats gegen netzpolitk.org. Die letzten Jahre standen unter dem Stern von spektakulären Enthüllungen über die NSA, chinesische Steuerbetrüger oder die Kriege im Irak oder Afghanistan. Die Art und Weise der Aufdeckungen hat sich durch das Internet stark verändert: Neben dem klassischen investigativen Journalismus gibt es Enthüllungsplattformen wie Wikileaks, die für eine „globale Netzgesellschaft des 21. Jahrhunderts im Zeichen des Transparenzglaubens“ stehen.

Zeit für uns, uns nicht nur mit denn aktuellen Ereignissen zum Thema zu beschäftigen, sondern grundlegende Fragen zu stellen: Woher stammen inoffizielle Veröffentlichungen von Informationen im Netz, also Leaks? Welche Bedeutung haben Enthüllungsplattformen wie Wikileaks für den investigativen Journalismus? Können Leaks mitverantwortlich für gesellschaftlichen Wandel sein? Wo liegen heute die Grenzen unseres Verständnisses von Pressefreiheit?

Philip Banse diskutiert mit unseren Gästen über das Leaken und Geheimhalten.

Zu Gast in dieser Ausgabe von Breitband²:

Daniel LückingDaniel Lücking: Der Onlinejournalist beschäftigt sich mit IT-Themen, Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Er gehört zum Vorstand des Whistleblower-Netzwerk e.V. und engagiert sich im Bereich der Menschenrechts- und Friedenspolitik.
 
 
 

Marta Orosz Marta Orosz: Die Journalistin ist Mitglied des Recherchezentrums CORRECT!V. Ihre bisherigen investigativen Recherchen hat sie unter anderem in Beiträgen über die Missstände in der deutschen Fleischindustrie, über Energie- und Wirtschaftspolitik und osteuropäische Einwanderer in Deutschland veröffentlicht.
 

Ulf BuermeyerUlf Buermeyer: Der Richter am Landgericht Berlin ist Fellow des Centre for Internet and Human Rights (CIHR) an der Europa-Universität Viadrina. Die Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit liegen unter anderem im Verfassungsrecht, insbesondere in der informationellen Selbstbestimmung, den Telekommunikationsfreiheiten und der Informationsfreiheit.

 

Moderation: Philip Banse
Redaktion: Teresa Sickert und Jana Wuttke
Web: Nora Gohlke

Titel-Bild: Garden Map von David Goehring auf Flickr, CC BY

Bild Ulf Buermeyer: Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Kommentare

    Falls ihr in der Diskussion versucht, generelle Verhaltensregeln bei Leaks zu erarbeiten, berücksichtigt bitte auch Fälle wie den aktuellen Leak bei Ashley Madison. Bei dieser Datingplattform für Verheiratete haben Hacker Daten abgegriffen und vergangene Woche im Darkweb Infos über rund 32 Millionen Nutzer veröffentlicht. [siehe http://www.wired.com/2015/08/happened-hackers-posted-stolen-ashley-madison-data/%5D

    Wann sind Leaks okay, vielleicht sogar notwending, und wann sind sie ein Verbrechen? Nach wessen Gesetz soll beurteilt werden, ob die durch einen Leak aufgedeckten Vorfälle illegal sind? Schließlich betreffen solche Leaks gerne mal mehrere Länder/Kontinente.

    Beispiel Ashley Madison: Ist der Leak in einem Land okay, wo Ehebruch verboten ist, weil man dadurch „Verbrecher“ überführen kann?

    Wünsche eine schöne Diskussion, freue mich auf die Sendung!

    Hallo Leo,

    Leaks halte ich generell nur dann für „OK“, wenn es ein berechtigtes gesellschaftliches Interesse gibt und es eine öffentliche Diskussion braucht.

    Der Fall von „Ashley Madison“ eignet sich einzig dazu „Leaking“ in Verruf zu bringen. Das ist eine großangelegte Verletzung von Persönlichkeitsrechten und hat mit dem Aufdecken gesellschaftsrelevanter Prozesse nichts zu tun.

    Ich könnte damit leben, wenn von Dating-Plattformen z.B. die Mitarbeiter / Animateur-Profile öffentlich würden – also diejenigen, die einfach nur für Bewegung auf der Plattform sorgen sollen. Aber in dem A-M-Fall: einfach nur daneben.

    Viele Grüße & viel Spaß morgen bei der Sendung!

    … und nein: ich bin nicht dafür seinen (Ehe-)Partner zu betrügen. Wer sich auf solchen Plattformen anmeldet oder einen „Partner“ hat, der das tut, muss selbst an den Gründen dafür arbeiten.

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